Die Triologie von Emotion, Spiel und Beziehung

Teil 3 meiner Übersetzung eines Gordon Neufeld Interviews vom März 2019 im Rahmen eines Online Kongresses über die „Bildung von morgen“. Sprachlich habe ich wenig angepasst und bin am gesprochenen Wort geblieben.

Für mich ist der folgende 3. Teil der bedeutungsvollste Teil.

G. Neufeld: Wir glauben die Technologie hilft uns, in Wirklichkeit fördert sie Wettbewerb oder eine digitale Abhängigkeit. Denn eine „depersonalisierte Verbindung“ ist so süchtigmachend wie Zigaretten und Alkohol. Es ist lächerlich, sie in die Hände unserer Kinder zu geben.

Sie sind wie in ein Keks.

Leere Kalorien.

Leere Intimität, es erfüllt nicht, es macht abhängig. Die Antwort darauf (das Benutzen digitaler Medien) muss sein: „nicht bis du voll bist mit Liebe, Bedeutung, und Gründen!“

Wir senden unsere Kinder hungrig in die Welt.

Frage: Was können wir in den Jahren vor dem Schuleintritt tun, um unseren Kindern bei ihrer Reife zu helfen?

Gegenfrage von Neufeld: Wo kommt denn die Reife bei Früchten her?

Von den Wurzeln! Gut verwurzelt zu sein, bedeutet Sicherheit zu spüren.

Mama und Papa müssen „ihre Arbeit machen“, den Kindern Bedeutung und Wärme geben und Sicherheit, das braucht das Kind um zu wachsen und zu reifen.

Nicht das Kind zu puschen sondern die Bindungswurzeln zu nähren.

Die Natur kümmert sich dann schon um alles Weitere.

Wir müssen ja eine Geranie auch nicht lehren zu wachsen. Wenn die Bedingungen gut sind, dann wächst sie gut, das Gleiche ist es mit einem Kind.

Verwurzelt und in Bindung. Sich ausruhen können bei Mama und Papa. Kontakt und Nähe.

Ausruhen ist der Schlüssel zu allem Wachsen in allem natürlichen Wachstum, dann entsteht Reife, was wiederum zum Lernen führt.

Das ist das natürliche Design. Wenn wir als Eltern unseren Job machen, dann können die Lehrer ihren Job machen.

Die Rolle des Spiels an sich

Frage: Welche Rolle hat das Spiel?

Das Spiel war das erste Thema in der antiken griechischen Philosophie, ein zentrales Thema der Zivilisation. Heute gibt es eine multidisziplinäre Wissenschaft, die die neurologischen Beweise für die Wichtigkeit des Spiels erforscht. Unglücklicherweise fehlt uns dafür noch das richtige „wording“.

Spiel ist in Aktivität involviert. Ergebnisoffen, nicht zielorientiert. Es geht um das Gefühl, nicht um ein Ziel. Die Natur „kümmert“ sich über Gefühle um uns.

Gefühle brauchen auch Ruhe, ein Drittel unseres Lebens ist Schlaf. Warum? Um klar zu denken.

Unsere Gefühle „arbeiten“ auch und brauchen Ruhe. Echtes Spiel ist eine Form von „aktivierter Ruhefunktion“.

Gefühle können sich da ausruhen. Lernen kann sich da am besten entfalten, das Gedächtnis kann sich da am besten entfalten.

Beziehungen, Gesundheit und Genesung. Echtes Spiel.

Das Verständnis für emotionale Spielplätze: Theater, Tanz, Musik, Kunst, das sind alles echte Spielplätze, solange sie nicht zielorientiert sind.

Sie sind die Schlüssel zu emotionaler Gesundheit und Wohlsein, wir brauchen da eine Feingefühl dafür in unseren Schulen.

Wir wissen, dass Emotionen unsere Gehirnentwicklung managen.

Wenn wir nun wissen, dass Gefühle sich um uns „kümmern“, so wissen wir, dass das Spiel sich um die Gefühle „kümmert“. Wir müssen da ein Feingefühl für diese Faktoren wiederherstellen.

Diese zwei Dinge: Beziehung und Spiel sind ein Katalysator für Bildung.

Beziehung und Spiel sind bei uns ausgegrenzt in unseren Schulen. Das müssen wir betrachten!

50% der Schule sollte sich um die Gefühle kümmern.

Die Forschung dazu fragt sich: wie sieht eine Schule aus, die die größtmögliche emotionale Gesundheit fördert und die kleinstmögliche psychische Erkrankung?

Die Bildungsforschung dazu dachte, soziale Programme in den untersuchten Schulen wirken psychischen Erkrankungen am ehesten entgegen.

Es waren aber Schulen mit Chor (die eine positive Wirkung zeigten)!

Wegen der Musik!

In Deutschland gibt es nur diese riesige Arbeitsethik.

Sobald es Noten gibt, zielorientiert ist, verliert der Prozess den Wert.

Deutschland war einstmals führend im Wert der Schule. Aber nicht mit mehr Härte, sondern mit Menschlichkeit und Leidenschaft!

In Südfrankreich ist jeder Künstler. Ohne Qualitätsnachweis. In Italien jeder ein Opernsänger.

Emotion, Beziehung, Spiel: dann fällt alles an seinen Platz. Das ist die Triologie.

Nicht Technologie.

Diese Trias und unsere Kinder werden zivilisiert und menschlich.

Frage: Wie schaffen wir Systemwandel?

Was können wir tun, das zu wachsendem Bewusstsein im Schulsystem führt?

Antwort: Kurse kreieren und Lehrer und Eltern nehmen daran teil.

Wir müssen unsere Wege dahin finden.

Frage: Welche Hoffnung gibt es da?

Genügend Verständnis und z. Bsp. Interesse an Neufelds Kursen, die es in sechs verschiedenen Sprachen gibt.

Einfach damit zu „sitzen“ (Anmerkung, es auf sich wirken zu lassen, damit zu sein).

Ob es intuitiv Sinn macht, dann passieren Veränderungen und Anpassungen automatisch.