Bildung als Einbahnstrasse oder „Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Fesseln“

Es nervt…

Was?

Die Einbahnstrasse, die das Bildungssystem in Deutschland gerade einschlägt.

Ein aktuelles Interview vom 13.7.2018

https://www.deutschlandfunk.de/bildungsystem-schueler-muessen-wissen-warum-sie-in-die.694.de.html?dram:article_id=422816

Von Rousseau, dem Verfasser des o.a. Zitates stammt übrigens auch: „Man kennt die Kindheit nicht…“das war Ende des 18.Jahrunderts. Rousseau hat sowas von eine Lanze gebrochen für Kinder. Aber sowas von. Der Erste der bürgerlichen Schicht, der das ausgiebig formuliert hat. Dem das Kind ein Anliegen war. Der das Kind sein als etwas Kostbares ansah. Nicht nur einen unfertigen Erwachsenen. Das war in unserem Kulturkreis etwas ganz Neues.

Das 20. Jahrhundert war zwar als das Jahrhundert des Kindes ausgeschrieben von der UN und es gab viele positive Entwicklungen aber…

Tja. Wenn ich mir so unserer Bildungslandschaft und die Lernräume in vielen Schulen anschaue, muss ich dem noch hinzufügen:

man kennt  das Lernen offensichtlich trotz erschlagender Wissenschaftslage auch nicht und die Kindheit immer noch nicht, denn wie sonst schleicht sich ein gesellschaftlicher Habitus im Umgang und der Bewertung von Kindern ein, der oft gar nicht ihren Entwicklungsbedürfnissen entspricht oder sogar ziemlich zuwider läuft? Rückschritt macht?  Manche Experten fordern ein radikales Umdenken im Umgang mit unseren Kindern.

Und so langsam nervt es mich kolossal.

Es nervt mich, dass alles, was an entwicklungsförderlichen Strukturen mittlerweile hinreichend bekannt und sogar wissenschaftlich untermauert ist, offensichtlich  ignoriert wird.

Die Hirnforschung sagt DAS dazu:

https://www.kleinezeitung.at/lebensart/familie/erziehung/5123489/Was-Kinder-stark-macht_Foerdern-ist-das-Schlimmste-das-man-machen-kann

Kinder, die das geistige und menschliche Potential unserer Zukunft sind, werden zu Puzzleteilen passend gemacht.

Passend gemacht für die optimierte Arbeitswelt, in der Mama und Papa möglichste beide 40h arbeiten sollen.

Wie soll man sich sonst wohnen noch leisten? Mama vor der Altersarmut bewahren?

Tja, ein Halbtagsjob reicht nicht. EIN Gehalt reicht auch schon oft nicht mehr.

Da stellt sich die Frage nach dem WARUM?

Warum ist das so geworden….

Früher war das anders.

Kinder waren bis zum Alter von vier Jahren zu Hause, EIN Gehalt hat in vielen Familien gereicht. Es gab mehr Wohnraum.

Keine Angst, das hier wird ganz sicher keine früher-war-alles-besser-Ode! Das war es nicht. Und ich verstehe jede Frau bzw. Mutter, die Ausgleich und Inspiration und eigenes Geld möchte. Definitiv!

Aber es geht um Lebbarkeit.

Familienleben.

Die Familie als Basis demokratischer, humaner Prozesse.

Ja wo denn sonst, wenn nicht in der Familie, am gelebten Vorbild.

Als Basis sozialer Prozesse. Identitätsbildung. Gesellschaftsbildung. Und zwar ohne chronischen Stress.

Und das geht uns doch bitteschön wieder alle an. Wir alle bilden diese Gesellschaft und wünschen uns, dass sie sich positiv entwickelt.

Menschlichkeit. Gemeinschaft. Empathie. Freiheit. Innere und äußere. Na klar!

Auch Wohlstand.

Aber bitte gerecht.

Reell wird die Mittelschicht gerade abgeschafft.

Zurück zu den Kindern.

Wenn ich die Umstände in vielen Kintertagesstätten und den gesellschaftlichen Trend zur möglichst langen, ausserfamiliären Betreuung in der Kleinkindzeit betrachte und die wissenschaftlichen Erkenntnisse über optimale Bildungsprozesse- tja dann muss ich feststellen: irgendwas läuft gewaltig schief im Staate Dänemark! Bzw. im Staate Deutschland, frei nach Shakespeare.

Das geht irgendwie nicht zusammen. Und ich kritisiere ganz sicher nicht die Fachkräfte!!!

Aber die Bedingungen, in denen sie wertvolle, pädagogische Arbeit leisten sollen. Zum Beispiel die Personalschlüssel. Auf dem Papier oftmals ganz ok aber in der Realität siehts mit Krankentagen, Elternzeiten, Kündigungen etc. oft anders aus. Und Stress kehrt ein, wo Entspannung sein sollte. Für beide Seiten. Kinder und Pädagogen. Auch die Bezahlung könnte -nein müsste- für diese wertvolle Arbeit höher sein.

Entspannung braucht es, um dem Kostbarsten, was unsere Gesellschaft hat – nämlich die Zukunft von morgen, unsere Kinder! – den Raum zu geben, den sie brauchen, um zu wachsen und zu gedeihen.

In dem Sinn mögen mein Mann und ich auch den altmodischen Begriff „KindergärntnerIN“. Den Kinden nämlich den optimalen Raum zu bereiten, um zu wachsen.

Kinder „gärtnern“ : )

Sonne, Liebe, ein bisschen Dünger vielleicht mal, Halt, einfach gute Wachstumsbedingungen zu geben. Vom Prinzip her.

Ja ich weiss, es GIBT tolle Einrichtungen mit tollen PädagogInnen aber der Gesamttrend ist doch äusserst bedenklich. Wo die Situation gerade hinsteuert. Personalmangel, 24h Kitas…

Gestern (2.7.18) las ich: weil die Diktate im Bewerbungsverfahren der Berliner Polizei so schlecht ausfielen, wurde das Diktat als Teil des Verfahrens abgeschafft.

Hallo?

Wenn die Folgen unserer ach so tollen modernen Bildungslandschaft sind, dass viele Jugendliche nicht mal mehr richtig rechtschreiben können: tja, dann stimmt doch irgendwas ganz gewaltig nicht! Das ist also eine Folge von Ganztagsbeschulung. Hat ja super geklappt.

Und dann wird Problem oben so gelöst, dass es – mir fällt gar kein richtiges Wort dafür ein: ignoriert wird?  Äh, verdrängt? Ausgeblendet? Weggemacht?

Das ist doch so, als ob mein Öllämpchen im Auto aufleuchtet und ich das Lämpchen ausschalte, um den Ölmangel zu beheben. Problem gelöst. Haha. Geht nur das Auro kaputt von.

Gesellschaftlich betrachtet hiesse das, das Bildungsniveau wird zerstört.

HALLO!? AUFWACHEN!

Hat denn keiner von den Verantwortlichen mehr so viel Grips, die wirklichen Ursachen des teilweisen Verfalls der Grundfertigkeiten zu erkennen? Dass das, was gerade läufg eine Einbahnstrasse ist?

Wann kommen die Erkenntnisse aus der Bildungs- und Entwicklungsforschung denn ENDLICH da an, wo über Bildungsstrukturen entschieden wird???

Und wieso bleiben so viele gut ausgebildete Frauen dann doch zu Hause bei ihrem Kleinkind, wenn doch das grösste Risiko für Altersarmut in Deuschland ist, Frau zu sein und Teilzeit zu arbeiten?,

Schliesslich ziehen wir doch mit Blut und Tränen und vielen – sehr vielen –  Euros die Gesellschaft und die Rentenzahler von morgen gross?

Nein, es geht hier NICHT um die 120 Millionen Kinder, die nicht zu Schule gehen können auf dieser Erde und für die genau das wahrscheinlich das Beste wäre.

Mir ist auch klar, das unser System hier uns einigermaßen Frieden und sehr viel Wohlstand bringt. Und ich bin dankbar dafür.  Auch meinen Eltern, die ihre Länder Österreich und Irland verlassen haben, weil sie hier eine bessere Zukunft aufbauen wollten. Weil ich alle Vorzüge eines reichen Landes geniessen konnte. Und das habe ich. Auch in Bezug auf Bildung.

Aber welchen Preis zahlen wir für all das? Wieso lächeln die Menschen hier so wenig?

Und warum zahlt Starbucks hier keine Steuern?  Von denen könnte man z. Bsp.  jeder Kitagruppe und jedem Brennpunkt zusätzliche Pädagogen und Betreuer bezahlen. Statt dessen ist der Spitzensteuersatz in der immer kleiner werdenen Mittelschicht angekommen. Juhuu.

To be continued…hänge jetzt hier mit Stillkind und kann nimmer gut tippen: )

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.