Ein Kinderarzt erzählt…

(Nachfolgendes Gespräch hat tatsächlich so stattgefunden. Der 0-Ton des Arztes entstammt meinem Gedächtnisprotokoll.)

Neulich im Gespräch mit unserem Kinderarzt:

„Ja was glauben Sie, wie sich das (er meint die Eltern mit ihren Kindern) bei mir am Freitag und am Montag häuft. Und das wird immer mehr, von Jahr zu Jahr!“ ( er hat eine Pädiatrische Praxis seit etwa 15 Jahren)

Empört wirkt er auf mich. Und ratlos.

„Die Verunsicherung der Eltern wird immer größer. Da fehlt Gelassenheit. Das ist auch ein gesellschaftliches Problem aber die Medizin hat da auch selbst schuld dran.“

Ich: „sie meinen wegen der Pathologisierung?“

„Ja. Wegen jedem Kopfschmerz wird gleich ein CT gemacht und ein Hirntumor vermutet“. (Das aus dem Mund eines Arztes, ich staune ein bischen aber er kennt meine reflexive Haltung zu unserem Gesundheitssystem und das wir uns sehr viel mit gesundheitlichen und medizinischen Fragen beschäftigen).

Er fährt fort: „Und was hab ich viele Frauen gesehen, die nicht mehr guter Hoffnung waren, sondern die ganze Schwangerschaft Angst hatten, weil die Nackenfalte zu dick gemessen war. Und letztendlich war das Kind aber gesund.“

Ich denke an die eine Statistik diesbezüglich, von der eine befreundete Heilpraktikerin und Rettungssanitäterin mir erzählte. Wie viele „falsch positive“ Ergebnisse es bei der sogenannten Nackenfaltenmessung gibt. Sie selbst eingeschlossen hatte auch ein „falsch positives“ Ergebnis in ihrer Schwangerschaft und sich deswegen anschließend damit befasst Und sich dann zum Glück nicht verrückt gemacht. Eine andere Frau hat mir erzählt, ihr wurde in der Schwangerschaft mit ihren Zwillingen gesagt, ein Zwilling wäre tot! Das war allerdings schon vor 18 Jahren. Beide Kinder kamen gesund zur Welt. Aber sie war die ganze Schwangerschaft über tottraurig.

Mir fallen die Ultraschallgewohnheiten in Deutschland während der Schwangerschaft ein, die Frequenz ist in Deutschland viel höher als in anderen Ländern. In Amerika ist zum Beispiel routinemäßig nur ein Einziger vorgesehen.

Tja.

Fluch und Segen.

Die Dosis macht das Gift.

Solche Sachen gehen mir durch den Kopf.

Und: „German Angst“.

Kennt ihr den Begriff“ German Angst“? Fällt mir immer wieder ein, denn im Alltag merke ich immer wieder, dass ich in manchen Dingen so gar nicht „german“ bin. Was ich ja tatsächlich nicht bin.

Und dann führten wir noch ein kurzes Gespräch über den gesellschaftlichen Wandel, den heute fehlenden Austausch und Input durch ältere, erfahrene Generationen, wie das früher eben normal war und die familiäre Erfahrung im Alltag ganz selbstverständlich weitergegeben wurde.

Über die Entfremdung von Kindern und Eltern durch immer mehr Zeit, die sie immer früher getrennt voneinander verbringen. Da ist es schwer ein Gefühl für den anderen zu entwickeln oder so was wie einen Instinkt oder auf den gesunden Menschenverstand zu vertrauen, wenn es einem niemand mehr vorlebt.

Oder Vertrauen zu entwickeln.

Tja: die Kehrseiten von Konzepten der Ganztagsbetreung…

Statt dessen stehen die Eltern dann in der Kinderarztpraxis.

Multifaktorielle Ursachen

Das ist wohl der Stress oder soll ich sagen der Wind des Kapitalismus, der in unserer Gesellschaft weht und überall für Anspannung sorgt. Ja, gesund ist da ganz vieles nicht.

Ich denke an die überall grassierende Privatisierung der Krankenhäuser und Kliniken, die dazu führt, dass Krankenhäuser keine reinen Heilanstalten mehr sind, sondern vor allem Betriebe, die Gewinn erwirtschaften müssen. Und wie erwirtschaftet man Gewinn?? Auf dem Rücken der Patienten.

Dies passiert wohl oft über Pathologisierung und den häufigen Einsatz von teurer Apparatemedizin. Und da beißt sich die Katze eben in den Schwanz. Ein Teufelskreis.

Neulich erzählte ein Anästhesist bei Markus Lanz Folgendes: er arbeitet hauptsächlich in der Palliativ Medizin. Da wird ordentlich am Sterben verdient. Er hat gerade ein Buch veröffentlicht, wo er darüber berichtet wie Todkranke noch teure, aus seiner Sicht Leid verschlimmernde Operationen bekommen, über den Wunsch auf lebenserhaltende Maßnahmen zu verzichten -trotz Patientenverfügung!- einfach hinweggegangen wird (besonders wenn es sich um Privatpatienten handelt) und Menschen wochen-, und teilweise monatelang am Leben gehalten werden, denn das bringt Kohle. Klingt unglaubwürdig? Ich konnte es auch kaum glauben.

Leidverschlimmernd, hm. War da nicht so was wie der hippokratische Eid?

Ich war auch völlig fassungslos, als er in der Runde erzählte wie eine Leiche ungelogen 24 Stunden beatmet wurde und als er dazu kam, schon die Totenstarre eingetreten war. Mutiger Mann. Deckt auf, wo rücksichtslos Geld verdient wird auf Kosten der Menschlichkeit und der Krankenkassen und damit der Solidargemeinschaft und unser aller Geldbeutel. Findet in seiner Branche auch nicht jeder gut, wie er selbst erzählt.

Vom Tod zur Geburt

Mir fällt die Kaiserschnittquote ein in Deutschland.

Im Schnitt 33 Prozent. Jede dritte Frau kann nicht mehr gebären?

Daran verdient eine Klinik im Übrigen auch gut.

An einer natürlichen Geburt nicht so richtig.

An einer natürlichen Geburt, die länger dauert als 18 Stunden erst recht nicht.

Dass systemimmanent eher ein schneller Geburtsverlauf angestrebt oder vielleicht sogar forciert wird, das höre und lese ich immer wieder. Von Betroffenen und KritikerInnen der momentanen Krankenhaus Geburtskultur als auch auch von Hebammen. Geburtseinleitungen, die oft eine sogenannte Interventionskaskade auslösen und von denen viele viele Frauen ihr Leid klagen können.

Im Übrigen wurde die Dauer, die eine natürliche Geburt in Deutschland dauern darf, bevor definitiv eingegriffen wird, vor einigen Jahren herabgestuft von 48h auf maximal 24h.

Ja und mit welchen Folgen?

Andere Länder, andere Sitten oder was?

Und in Frankreich darf eine komplette Schwangerschaft insgesamt einfach mal eine Woche länger dauern. D.h. die Übertragungszeit beginnt dort eine Woche später.

Hallo was? In der Zeit, in der in Deutschland schon einige Ärzte panisch werden und Geburten einleiten, Hausgeburtlerinnen alle drei Tage zum Arzt beordert werden, ist in Frankreich noch alles ganz normal im Verlauf?

Warum?

Das wusste selbst meine sehr erfahrene, gebildete Hebamme auch nicht. Hat „man“ (wahrscheinlich „Mann“) so festgelegt.

Aber gemessen an China und Brasilien, wo Kaiserschnitte auf Wunschtermin und Sternzeichenwunsch modern sind, sind die Verhältnisse hier natürlich besser.

Ich denke an den Film Microbirth, für den ich eine Passage mitübersetzt habe und wo es um die langfristigen Auswirkungen von Kaiserschnitten auf Public Health, d.h. die gesamtgesellschaftliche Gesundheit geht und welche Kosten dies für die Gesellschaft und die damit verbunden Gesundheitssysteme verursacht. Und ja, da geht es um Milliarden. Milliarden, die jemand verdient und Milliarden, die jemand zahlen muss, nämlich wir, die Solidargemeinschaft. Und den Preis zahlen natürlich auch die Kinder mit ihrer Gesundheit. Das ist pure Forschung. Mehr Allergien, Mehr Stoffwechselerkrankungen usw. Schöner Film, schaut ihn euch an. Die Auswirkungen von Kaiserschnitten auf das menschliche Mikrobiom.

Klar: für ein Frühchen ist die moderne Medizin ein Segen! Für viele schwere Erkrankungen auch! Auch die Notfallmedizin. Nein ich bin froh über vieles, was ich hier nutzen kann. Keine Frage. Zwei meiner Kinder hatten auch mehrere Jahre eine chronische Erkrankung.

Aber sollten wir als Gesellschaft nicht die Kirche sozusagen im Dorf lassen? Geht es nicht vielmehr vor allem darum, unseren gesunden Menschenverstand und eine gutes Bewusstsein für uns und unsere Gesundheit entwickeln? Und vor allem eigenverantwortlich Informationen und Meinungen einholen, um auf einer fundierten Basis die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Stichwort Selbstermächtigung.

Ja, mehr Gelassenheit und gesunder Menschenverstand. Da hat er schon recht der Doc. Das täte uns allen gut.

Und Ministerämter zu schaffen, die Lobbyismus kontrollieren, wären auch eine feine Sache.

Finde ich.

In allen Bereichen. Und so endet unser Gespräch in so etwas wie gegenseitigem Einvernehmen: Bedauern über einige Aspekte des gesamtgesellschaftlichen Wandels und Verlusts von gesundem Menschenverstand und der Hoffnung, dass sich die Dinge doch irgendwie gut entwickeln mögen.

Werden unsere Schüler immer dümmer? Teil 2 meiner Übersetzung eines Interviews mit Gordon Neufeld

Werden unsere Schüler immer dümmer?

Fortsetzung:

Bereits kleine Investitionen in die Lehrer-Schüler-Beziehung haben messbar bemerkenswerte Auswirkungen auf das Lernen.

Der Fokus

Wir sollten die Richtung unseres Fokus‘ ändern, WIE wir unterrichten und uns auf den Kontext fokussieren. Sogar in der Uni lernen wir am besten da, wo wir eine Bindung haben.

Als Eltern wissen wir das auch intuitiv: wir wollen wissen, ob unsere Kinder ihre Lehrer mögen oder nicht!

Es geht im übrigen nicht darum, dass nur die Lehrer die Bindung aufbauen, sondern die Schüler natürlich auch zum Lehrer/Dozent.

Wir müssen also heraus finden, wie wir diese Beziehung kultivieren können, wie solche Beziehung aussehen können, um Schüler*innen ihr Lernpotenzial realisieren zu lassen.

Wie sollten diese Beziehung zwischen Lehrer und Schülern also aussehen?

Aus Perspektive des Lehrers: Was kann der Lehrer denn tun? Oder ist das Zufall?

Neufeld meint dazu Folgendes. Es gibt 3 einfache Punkte: man könnte fast sagen uralte „Rituale“, die aus allen Kulturen stammen und „Kultur“ gelingen lässt. Er nennt es eine „community von Verbindung“. Die Characteristica sind wie schon erwähnt, dass die Lehrer das Bindungsbedürfnis der Schüler bedienen?
Ganz einfach. So wie wir das auch privat dauernd machen.

Die einfachste Manifestation ist: Wir (er spricht von sich und den Pädagogen und Lehrern interpretiere ich), sollten sicher stellen, uns zu grüßen! Wir versuchen Augenkontakt herzustellen, Lächeln hervorzurufen, Ohne Augenkontakt gehen wir erst mal kaum miteinander in Kontakt. Das gehört intuitiv zur Kontaktaufnahme dazu.

Dann ein „Augenlächeln“ zu bekommen. Miteinander über Augenkontakt in Kontakt zu treten. Gemeinsam zu lächeln. „Das ist wie eine Einladung in meiner Präsenz zu existieren!Und das ist der herausragende Mangel/ das herausragende Bedürfnis!! Was es braucht.

So kommunizieren wir. So laden wir ein, uns zu verbinden.

Besondere „settings“

Bei Autisten geht dieses „Abholen“ natürlich anders, Augen sind zu empfindlich, oder asiatische Kinder, da geht es über die Ohren da sagt man was, was sie zum lächeln bringt, über die Ohren. Zuerst verbindung schaffen, dann unterrichten.

Anmerkung: in 50 Minuten kann er nicht alles in der Tiefe erläutern und geht hier nur kurz auf Schüler mit besonderen Bedürfnissen ein.

Der Bindungsinstinkt

Wenn wir nicht den Bindungsinstinkt „bedienen“, dann kooperieren Menschen nicht gut oder machen sogar das Gegenteil von dem, worauf wir abzielen. Dann entsteht eine Art Widerwille. Wir wollen nicht, dass jemand uns seinen Willen aufzwingt.

Diese Grunddynamik verkrüppelt das komplette Schulsystem heute. Weil wir darin versagen, das Kind in den Kontext der Beziehung mit uns zu führen. Wenn sie (die Lernenden) „dort“ (in Beziehung) sind, schmilzt alle Gegenwehr, sie wollen von uns lernen, sie geben ihr Bestes, die Schüchternheit verschwindet. Wir müssen unsere Schüler abholen und Rituale der Verbindung schaffen.

Kleine Rituale der Verbindung erfahren ist wichtig, wir benutzen Spiele dafür. Die Forschung sagt, wenn wir spielerisch sind, verbinden wir uns viel leichter miteinander.

Es gibt so viele Arten, wie wir das schaffen.

Zwei andere sind: Wenn wir eine Verbindung habe, dann müsse wir unseren Schülern zeigen, dass sie uns wichtig sind, dann sind sie in der Lage, freiwillig mit uns in Verbindung zu treten. Zum Beispiel über Abschied. „Ich freue mich dich morgen zu sehen, wir kriegen das hin..“ etc. also kommunikativ. Also eine Begrüßung und unser personalisierter Abschied.

Alle Filme über meisterhaften Lehrer basieren hauptsächlich darauf:

was einen meisterhaften Lehrer ausmacht, ist nicht Überlegenheit, Pädagogik und Curriculum sondern Großartigkeit in der Beziehungsfähigkeit und Beziehungsaufbau. Beziehungsaufbau, ob sie es bewusst tun oder nicht.

Dann Verbindungen vermitteln und aufbauen mit anderen Menschen. Wenn eine Verbindung/Beziehung da ist, dann ist das das nächste Bindungsmittel der Wahl. Weitere Bindungen aufbauen. Überall. Diese drei einfache Bindungsrituale und Punkte können unsere Schule völlig transformieren!

Das verbessert sogar Noten. Dies ist lässt sich sogar im akademischen Umfeld beobachten. So kreierst du einen Kontext, in dem jeder Student natürlicherweise lernen will. Merke: Du änderst nichts an Pädagogik, Curriculum, Stundenanzahl, du entfernst die Haupthemmschwelle, das Haupthindernis.

Es ist nicht kompliziert und machbar.

Und man muss dies nicht mit allen Schülern machen, denn manche gehen von selbst in Beziehung, manche brauchen es weniger, man muss es vor allem mit denen am Rand machen, die nicht von selbst aufblühen, sie ins Verbindunggsnetz hineinbringen. Sie arbeiten dann viel lieber, sind engagiert dabei etc.

Das ist die Macht der Bindung.

Frage: Ist es so, dass Schüler schwieriger zu unterrichten sind als vor etwa 20 Jahren?

Ja, definitiv ist es schwieriger. Trotz wachsender Erfahrung und verbesserter Rahmenbedingungen.

Hauptsächlich, weil Kinder nicht mehr so erwachsenenorientiert sind. Ursprünglich hatten Kinder automatisch eine Bindung zu ihrem adulten Umfeld. Nach dem 2. Weltkrieg in den 60iger Jahren, begann das Phänomen, dass Kinder sich um um sich selbst drehen, weil sie aus dem Gefüge/dem Orbit der sie umgebenden Erwachsenen, Eltern, Großeltern genommen wurden.

Nicht so sehr in Deutschland, wie etwa in Großbritannien. In England ist es besonders so, dass die Kinder fast nicht mehr lehrfähig sind. Wegen der Peer Orientierung. Die meisten Kinder gehen nicht zu Schule, um zu lernen sondern um mit ihren Freunden zusammen zu sein. Das passiert überall.

Heute denkt jeder, das ist normal und das war schon immer so. Aber das stimmt nicht. Die ganze Lernkultur und die Gesellschaft haben sich verändert.

Der Grund für Bindungsverhalten ist, dass wir instinktiv annehmen die natürliche Umgebung kümmert sich schon um uns. Wenn wir bindungsorientiert leben, dann springt sozusagen unser sozialer Instinkt an, wir nehmen aufeinander Rücksicht, wir kümmern uns umeinander.

Peers sind nicht dafür gedacht, diese Aufgabe zu übernehmen. Sondern Erwachsene.

Wenn wir sie also „einladen in unserer Präsenz zu existieren“, ihnen signalisieren, dass sie an unserem Tisch willkommen sind, hier gibt es Antworten im Sinne von Bedeutung für deine Sehnsüchte, Hoffnungen, Sicherheit, Wichtigkeit, dann ist das Ergebnis, dass sich ihr Lernpotential einfach entfaltet. Sie werden unsere wahren Schüler*innen. Dann wollen sie von uns lernen, unsere werte annehmen, so sprechen wie wir etc.

Frage: Warum gibt es also diese Peer Orientierung?

Das war auch ein Motor für unsere digitale Revolution. Obwohl wir (Anmerkung: Generation der Best Agers und Baby Boomer) dabei waren, diese digitalen Einrichtungen zu erfinden, dachten wir, es endet im Informationszeitalter. War aber nicht so.

Wir sind als Spezies letztendlich gar nicht so sehr an Information interessiert, weil unser Gehirn gar nicht so viele Informationen aufnehmen kann. Mehr als 95% der verfügbaren Information können wir nicht verwerten.

Wir suchen nicht Information sondern Verbindung!

Suchterzeugung und Pseudoverbindungen

Was also passiert ist, ist dass wir diese digitalen Produkte in der Schule eingeführt haben und was dann passiert ist, ist das die Schüler sie sofort als soziales Medium wiederverwenden. Und es ist suchterzeugend. Denn nichts ist suchterzeugender als das, was nur fast funktioniert.

Es funktioniert nicht richtig, weil die Schüler nicht mit denen Verbindung aufnehmen, die dazu gedacht sind, auf sie zu achten, für sie zu sorgen.

Wir haben jetzt ein weiteres ein Problem im Schulsystem: die Hauptbeschäftigung der Schüler*innen ist jetzt, sich miteinander mit ihren digitalen Geräten zu verbinden und es ist sehr schwer da durchzudringen zu ihnen. Wir müssen also ganz am Anfang anfangen. Verbindung aufbauen. Es ist so ironisch. Ich war in Kasachstan auf dem Welt Reform Education Forum. Der Trend dort war: „wir nutzen mehr Technologie für mehr Unterricht“ etc.

Aber darum geht es aus meiner Sicht nicht. Wir müssen unsere Schüler zurück bekommen und das thema ist Beziehung und Bindung. Sie einladen in unserer Existenz zu existieren.

Social Media ist wichtiger als Google!

Als westliche Gesellschaft investieren wir Milliarden in die digitale Ausstattung/Technologie von Schule. Jeder denkt, DAS ist Fortschritt.

Jeder denkt, wir sind immer noch im Informationszeitalter. Aber das hat sich verändert.

Aber Social Media ist viel wichtiger für Studenten als Google. Verbindung ist wichtiger als Information.

Wir sind so naiv zu glauben, Studenten nutzen die Technologie so, wie wir denken, dass sie sie nutzen sollten. Es ist unglaubliche Technologie, Zugang zu universeller Information, aber das Problem ist, unsere Schüler suchen digitale Intimität und alle Untersuchungen zeigen, es konkurriert mit realen Beziehung, es nimmt sie aus dem Orbit von echten Beziehungen. Ich glaube, die Schulsysteme werden merken, es wird nicht funktionieren, wenn wir keine Verbindung miteinander haben.

Teil 3 folgt

Unter 3: mit Leichtigkeit zum ABC

Sieht das Kind etwa schlecht?

Die Arzthelferin war irritiert. Warum kam denn die Antwort bloß so langsam? Die Bilder waren doch ganz eindeutig und leicht zu erkennen!

Vielleicht ein Indiz für eine schwere Sehschwäche?

„Sie müssen die Schrift abdecken, er liest es ab“, sagte der Vater.

Was? Sie war noch irritierter. Der Junge war doch gerade erst 5 geworden!

Sehr besonders.

Gar nicht besonders sage ich, sondern ganz normal. Wenn man über bestimmte Lernfenster Bescheid weiss und sie liebevoll nutzt. Im Übrigen machten das auch laut Vera Birkenbihl die alten Römer schon so: Ihren Kindern zwischen 2 und 3 Jahren die Buchstaben beizubringen.

Die Szenerie: U-Untersuchung mit 5. Die Bildgalerie mit den Gegenständen, die vom Kind zu benennen sind, um festzustellen, ob Sprache und kognitive Fähigkeiten sich gut entwickeln. Unter dem Bild steht der Begriff geschrieben, warum auch immer.

Der Junge ist im Übrigen mein mittlerer Sohn und der Vater mein Mann.

Laut Maria Montessori ist ein gutes Zeitfenster um Buchstaben zu lernen zwischen zwei und drei Jahren, bzw. im Kindergartenalter.

Das hatte mir eine Freundin, die Sonderpädagogin und in „Montessori“ fortgebildet ist, verraten.

Und mir erschien ganz logisch, dass ein Kind in der Entwicklungsphase, in der es lernt alle Gegenstände zu benennen und seinen Wortschatz auszubauen auch leicht lernt, bestimmte -sagen wir- Zeichen zu benennen. In diesem Fall Buchstaben.

Lernpsychologisch und pädagogisch ist es sinnvoll, dies ohne Druck und quasi ganz unabsichtlich erscheinend „nebenbei“ anzuregen. Wenn man es denn überhaupt in irgendeiner Art sinnvoll findet, dieses Lernfenster nicht der vorgegeben Schulzeit oder dem Kind selbst zu überlassen.

Da wir das, was im Kind angelegt ist gern unterstützen und wir planten unsere Kinder in eine freie Schule zu schicken, wo diese „Skills“ später aus verschiedenen Gründen nützlich sein könnten, haben wir das auch gemacht: den Kindern die Buchstaben gezeigt zwischen 2und 3. Gezeigt, nicht beigebracht oder: gezeigt und dadurch beigebracht. Wie man will.

Und die beiden Älteren haben um das Alter 4 angefangen die Buchstaben zusammenzuziehen und zu lesen und etwas zeitversetzt zu schreiben.

Meine Tochter schrieb mit vier das erste Mal aus eigenem Antrieb mit Stift eine Einkaufsliste. Mein Sohn, ganz Junge, und mit dem Feinmotorikkram naturgegebenermaßen in einem anderen, späteren Entwicklungsfenster, schrieb sein erstes Wort im Waldkindergarten mit einem Stöckchen in die Erde. Mit viereinhalb. Und zwar UHU.

Und dann mit Kreide auf den Asphalt.

Ganz von selbst. Dazu muss man wissen, dass Jungs und Mädchen meist andere Entwicklungsfenster haben, was die Entwicklung der Feinmotorik angeht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch schön nachzulesen bei z. Bsp. Stephen Biddulph: Jungen: Wie sie glücklich heranwachsen.

Wir haben die Kinder bewusst nie bedrängt, nie gelobt oder angetrieben. Was wir aber sehr wohl getan haben, war die Aufmerksamkeit auf Buchstaben gelenkt und sie so spielerisch eingeführt. Und uns gefreut, wenn sie sie wiedererkennen.

Und im Alltag gibt es, ganz nebenbei, sooo viele Möglichkeiten Buchstaben in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken.

UmArmen

Im Aufzug, beim Einkaufen, Tanken, auf Nummernschildern und Verkehrsschildern, Reklamen etc.

Überall umgeben uns Buchstaben.

Und da wir das Ganze bewusst mitgesteuert hatten, haben wir auch entsprechendes Material zu Hause ausgelegt und zur Verfügung gestellt. Buchstaben gibt es bei uns in allen erdenklichen Ausführungen. Als Puzzle, in verschiederlei Gesellschaftsspielform, als Aufkleber, in Magnetausführung, zum Nachfahren mit dem Stift. Als Poster und natürlich in verschiedenen Büchern.

Dann und wann legen wir das Material aus, gehen spielerisch damit um und bei unseren beiden älteren Kindern dauerte es etwa neun Monate und die Kinder kannten alle Großbuchstaben und einige Kleinbuchstaben. Die restlichen Kleinbuchstaben kamen dann so nach und nach.

Momentan ist mein Kleinster „dran“. Er ist zweieinhalb und „kann“ O, E, A, e und P.

So ist das mit dem ABC in unserer Familie. Für mich und uns „Empowerment“.

Auch mit Musikinstrumenten umgeben wir unsere Kinder und uns gern. Es gibt jede Menge Trommeln, Flöten, Rasseln, Klangstäbe, ein Akkordeon, Mundharmonika, mittlerweile 4 Ukulelen und 3 Gitarren und ein Klavier. Da ich lange als Schauspielerin und Musikerin gearbeitet habe, bevor ich nochmal studiert habe und auch mein Mann eine Kunstader hat, ist das ein weiteres Feld, was wir gerne „aufmachen“. Meine Tochter hatte 1,5 Jahre Klavierunterricht, nicht im herkömmlichen Sinn, sondern in einem ganz Besonderen. Mit „relativer Solmisation“ und ohne Druck. Das hat wunderbar funktioniert. In der Schule langweilt sie sich jetzt dafür beim Flöten mit 32 anderen Kindern, wo alle natürlich mitkommen sollen.

Auch Material aus dem Bereich Erdkunde ist sehr beliebt. Mein Sohn hat da seine ersten Leseversuche gemacht. Ländernamen.

Dann haben wir z. Bsp. noch Material aus dem Bereich Geometrie.

Warum schreibe ich das alles? Bin ich eine Angebermama?

Nein : ) Und unsere Kinder spielen hauptsächlich zu Hause ganz frei.

Aber wenn wir es unseren Kindern leicht machen können an der Stelle: Warum nicht?

Denn es geht nicht darum, was meine Kindern können, sondern dass das Wissen um Lernfenster beschränkt ist, auch bei vielen Pädagogen. Und vor allem das WIE. Kinder lernen am besten oder soll ich besser sagen am liebsten „nebenbei“, unabsichtlich und ohne „Bewertung“ wie: „Oh, das hast Du aber toll gemacht“. „Ja fein“! Oder gar: „Jetzt kriegst Du aber noch ein Stück Schokolade!“ Ist ja auch kein Hund so ein Kind.

Viele Eltern wissen nicht, wie sie es anders machen sollen, weil es Ihnen niemand gezeigt hat und es kein Schulfach „Eltern werden mit Verstand und Herz“ gibt. Abgesehen davon, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dahin gehen, die Kinder aus dem „zu Hause“ in Instiutionen mit „Fachpersonal“ zu bringen. Am besten den ganzen Tag. Da bleibt also oft wenig Zeit für Mama und Papa auch noch DA am Start zu sein.

Und die meisten von uns sind selber mit Lob und Strafe aufgewachsen. Und die Eltern unserer Eltern noch mit „Zucht und Tadel“. Jede Generation macht es so gut sie kann.

Alles eine Frage der Entwicklung.

Und wenn ein Kind mit Buchstaben und Zahlen ein ganz anderes Lernfenster hat, als andere, dann entwickelt es ziemlich sicher gerade einfach Kompetenzen in anderen Bereichen. Dann sind Buchstaben und Zahlen eben später dran.

Das ist dann in der Regelschule natürlich ein Problem. Bei uns. Schauen wir nach Finnland, sehen wir wie dort wie erfolgreich in jahrgangsübergreifendem, projektbezogenen Unterricht ohne Hausaufgaben und Noten umgestellt wird. Ohne feste Klassen.

Blicken wir in die Neurobiologie sehen wir, wie bei bildgebenden Verfahren das selbe Hirnareal für Schmerz wie für Wettbewerb, Vergleich und Bewertung aufleuchtet. Scheint nicht in der Natur des Menschen zu liegen Vergleich und Wettbewerb. Hier geht’s natürlich nicht um spielerisches Wetteifern.

Da gibt es ganze Wissenschaftsrichtungen, die darüber streiten ob „survival of the fittest“ oder das Prinzip „Kooperation“, das erfolgreichste Prinzip der Evolution ist. In neuerer Zeit liegt Letzteres vorne. Scheinbar hatte Darwin damals einfach die bessere Lobby als Lamarck habe ich gelesen. Lobbyismus gabs schon immer. Vetternwirtschaft. Auch menschlich.

Maximale Potenzialentfaltung durch friedliche Kooperation aber auch.

Welch schöner Leitsatz: Potenzialentfaltung durch Kooperation! Auf gehts!

Präsentieren Vortragen Öffentliches Reden

Nachdem ich zehn Jahre auf deutschen Bühnen als Schauspielerin und Sängerin unterwegs war, ist der Weg zum Public Speaking nicht mehr weit. Der Hauptunterschied ist, dass ich mich nun inhaltlich anderen Themen widme und diese mit Leben fülle und nicht die Figuren anderer Autoren zum Leben erwecke.

Eine solche „Speech“ ist in der Regel -wie ein Theaterstück- auch genau durchdacht, folgt einem ähnlichen dramaturgischen Aufbau und sollte im Idealfall genauso mit Leben gefüllt werden, wie eine Bühnenfigur UND das Publikum berühren.

Dass meine Herzensthemen Potenzialentfaltung, Bildungsprozesse und die menschliche Gesundheit sind, ist kein Geheimnnis. Der Bachelor in Sport- und Gesundheitspädagogik, den ich nach meiner künstlerischen Laufbahn in Karlsruhe an der PH absolviert habe, brachte mir einige interessante neue Impulse aus Pädagogik und Gesundheitsbildung, die mein Wissen abrunden.

Besonders die Schnittmenge aus Neurowissenschaften und Psychologie ist ein enorm interessantes Feld.

Darum ging es auch am 22.3. in München in meiner ersten Speech beim dortigen Speaker Slam und der Teilnahme am Slam Weltrekord!

Wie ein Übergangsfest die Persönlichkeit Deines Kindes stärkt

Ein Übergangsfest zur Persönlichkeitsstärkung Deines Kindes

Kurz vor der Einschulung feierte ich für meine Tochter ein Mädchenfest. Sozusagen ein Übergangsritual vom kleinen Kind zum Mädchen. Gesellschaftlich gesehen vom Kindergarten- zum Schulkind. Die Anthroposophen würden sagen, zum Abschluss des ersten Jahrsiebtes.

Kurz vor Eintreffen der anderen Mädchen

Meine Intention war diesen Übergang zu würdigen, als ich sie fragte, ob sie ein Mädchenfest feiern mag, weil sie ja jetzt ein großes Mädchen wird. Und sie hatte Lust dazu!
Meine mütterliche Motivation dazu entstand aus meiner eigenen systemischen und schamanischen Arbeit und Entwicklungsprozessen zur Identitätsstärkung sowie der intensiven Beschäftigung mit weiblichen und männlichen Archetypen und dem, was uns trägt.

Übergänge bewusst begehen und gestalten

Ich hab‘ selber erfahren, wie wichtig es ist bestimmte Übergänge im Leben bewusst zu begehen, um die eigene Ausrichtung klar zu spüren. Da hilft ein klares Ende und ein klarer Anfang eines neuen Lebensabschnitts. Ich durfte da einige Übergänge nachholen und habe enorme Kraft und Stärkung daraus gezogen.

Im Kindergarten meiner Kinder gibt es zur Verabschiedung auch ein schönes Ritual im Kreis. Anschließend ein Rauswurf mit der Seilspinne.

Seilspinne

Da ich aber vom Familienstellen und aus der schamanischen Arbeit über die Kraft der gleichgeschlechtlichen Identitätsstärkung weiss, wollte ich meiner Tochter das auch gern mit auf den Weg geben. „Wie ein Übergangsfest die Persönlichkeit Deines Kindes stärkt“ weiterlesen

Der ideale Einschulungszeitpunkt oder warum Dein Kind keine Hollandtomate ist

Den idealen Einschulungszeitpunkt, gibt es den?

Die Schulpflicht hat dieses Jahr unwiderruflich den Einschulungszeitpunkt für unsere Tochter festgelegt. Nächsten Monat wird sie sieben.  Das Alphabet kennt sie, seit sie drei ist, Lesen und Schreiben hat sie mit vier begonnen. Warum also haben wir sie erst mit sieben eingeschult?

Gibt es den idealen Einschulungszeitpunkt

Ist eine frühe Einschulung ein Bildungsvorteil für das Kind? Hat mein Kind Nachteile, wenn es ein Jahr länger im Kindergarten oder zu Hause bleibt?
Tja. Schwieriges Thema. Manchmal gibt’s nichts dran zu rütteln, dann ist völlig klar – das Kind muss in die Schule, weil der Job, die Trennung, was auch immer es nicht anders zulässt. Was aber, wenn wir die Wahl haben?
Vielleicht sogar dem Kind die Wahl überlassen? Kann es doch gar nicht absehen, was das bedeutet!
Außer, der beste Freund, die beste Freundin wird auch eingeschult. Dann ist klar, Schule bedeutet zusammen sein können, WENN es denn die gleiche Schule ist.
Also, ein ziemlich individuelles Herangehen ist gefragt.

Gibt es ein Rezept?

Gibt es denn keine allgemeiner gültige Herangehensweise dazu?
Doch, das gibt es wohl! Denn vertieftes Spielen und Begeisterung sind laut der Hirn- und Lernforschung die Lernbooster schlechthin. Auch die Motivation Sachverhalte zu verinnerlichen, hängt vom persönlichen Bezug und echtem Interesse ab. Letzteres entwickelt sich von innen, nicht von außen durch z. Bsp. die Lehrer oder den Lehrplan.
Warme Beziehungen sind quasi das Sahnehäubchen für die perfekte Lernumgebung. Und ja, es gibt natürlich tolle, engagierte Lehrer mit Herz.

Dennoch, das freie Spiel und Entdecken bietet dem menschlichen Gehirn die perfekte Ausgangslage, um sich zu entwickeln. Dass das Spiel als solches noch nicht Eingang in den Katalog der so genannten „Frühförderung“ gehalten hat, zeigt wie träge die institutionellen Mühlen und Konzepte malen. Oder vielleicht, weil es da nicht so viel zu fördern gibt, außer einen kindgerechten Entdeckungsraum zur Verfügung zu stellen. Und zurückhaltende Lernbegleiter*Innen.
Dann würden nämlich sämtliche von außen eingeführte „Massnahmen“ zugunsten einer freien Lernumgebung einfach wieder abgeschafft werden.

Denn Spielen feuert die Bildung neuronaler Netzwerke an wie Dünger.
Spielen IST Dünger fürs Gehirn. „Der ideale Einschulungszeitpunkt oder warum Dein Kind keine Hollandtomate ist“ weiterlesen

Das böse Kind

Hauen, beissen, schlagen

„Zuerst hat er ihn mit Dreck beworfen und dann ist er weinend weggelaufen!“ erzählt mir empört der Papa von Xy.

Und er betont es so, als ob mein Kind (20 Monate), sein Kind (14 Monate) in bösartiger Absicht,

sozusagen um ihm weh zu tun,

erst mit Dreck beworfen hat und dann,

um es „immer noch böswillig“ zu verschleiern,

weinend zu mir gerannt kommt.

Der andere Junge weint auch.

Hat Erde in die Augen bekommen. Das tut ihm weh. Klar.

Die Szenerie, die dem vorausging: Beide Kinder waren unter ein paar Bäumen gewesen während wir mit den grossen Geschwistern fünf Meter weiter beschäftigt waren.

Die Kleinen waren unter sich sozusagen.

Was dann passiert: „Das böse Kind“ weiterlesen