Mama am Rande des Nervenzusammenbruchs

Der ganz normale Wahnsinn

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Es war kurz vor Weihnachten.

Der ganz normale Wahnsinn.

Wochenlang sich abwechselnde Infekte bei drei Kindern, ich selbst drei Wochen am Stück krank. Die! Geschenkefrage und Organisation, die alltägliche Anstrengung drei Kinder durch die Gegend zu kutschieren. Ja selber schuld – ich weiß – hätten wir Grundschule und Kindergarten um die Ecke gewählt, dann wäre alles einfacher. Am Nachmittag kommen die großen Kinder teils mit ihrem eigenen Frust wieder nach Hause. Wenig Zeit für Begegnungen. Viel Trubel. Gerade in der Weihnachtszeit. Blöd. Nächstes Jahr mach ich das anders… am Nikolaustag war ich soviel unterwegs, dass ich an einem Tag zwei Mal geblitzt wurde.

Atemlos durch den Tag… großes Kino für uns vier.

Zudem: Die dunkelste Zeit des Jahres. Wenig Zeit für Bedürfnisse der Mama, der Eltern. Mit anderen Worten: ANSTRENGEND!!!

Und um mich herum schien es vielen Mamas so zu gehen. Als ich mich mit drei Freundinnen zum Essen traf, veranstalteten wir ein Pfeifkonzert. Wir pfiffen alle aus dem allerletzten Loch.

Ich habe zwar mittlerweile einen integrierten Dankbarkeitsmuskel im Gehirn aber ganz ehrlich: irgendwann ist auch das bewusste dankbar sein nur eine Strategie, die nicht mehr so richtig greift. Dennoch rettet sie mich oft vor schlechter Laune und bringt mich zurück zur Eigenverantwortung und dem, was ich aktiv tun kann, um eine positive Veränderung zu erreichen.

Dreitageskurs Vipassana Meditation

Um aufzutanken, bin ich also am 20.12. für drei Tage zum Meditieren gefahren. Es fühlte sich zwar merkwürdig an, alles einschließlich der letzten Weihnachtsvorbereitungen und den drei Kindern meinem Mann zu überlassen aber mir ging es echt nicht gut und der Meditationsplatz für die Vipassana Meditation will auch bereits drei Monate vorher gebucht sein, sonst ist alles sofort ausgebucht.

Dann ist tatsächlich noch unser Auto kaputt gegangen! und ich war kurz davor daheim zu bleiben. Unglaublicherweise konnten wir spontan zwei (!) Autos leihen, so dass ich mich

mit meinen Lieblings CDs (ja CDs!) auf der Autobahn wieder fand und auch Axel und die Kinder noch ein Auto hatten für meine Abwesenheit.

Mein Mann hat selber einen 10 Tagesvipassanakurs gemacht und auch davor schon regelmäßig meditiert, sodass ich seine Unterstützung hatte.

UND ES WAR SOOOO GUT!!! Drei Tage aussteigen. Drei Tage aussteigen aus dem Alltagsstress, aus dem funktionieren müssen, aus dem kümmern, alles abchecken, alles bedenken, schlichten, trösten, kochen, aufräumen etc. pp. Von präsent sein mit den Kindern konnte gar keine Rede mehr sein. Ich war nur noch am hinterherhecheln.

Also: Drei Tage durchschlafen. Drei Tage bekocht werden! 3 Tage Stille. 3 Tage Schweigen. Jaaa!Keiner quatscht mich an. Das oder so ähnlich waren meine Erwartungen. Bzw. ich wusste ja, was auf mich zukommt. Mal kurz aufatmen im Trubel des Lebens.

Die erste „Alleinezeit“ seit 7 Jahren!

Zwischen 2007 und 2011 habe ich an vier Zehntageskursen teilgenommmen und die gehören definitiv zu den entspannendsten Zeiten in meinem Leben! So etwa wie vier Wochen Asienurlaub vom Effekt. Das ist schwer erklärbar, das muss man erlebt haben.

Raus aus dem Alltag

Ich hatte die tägliche Hin- und Her Karrerei der zwei älteren Kinder und das „sie abgeben“ in den letzten Monaten als sehr fremdbestimmt erlebt. Der Kleine sitzt viel im Auto und der ganze Tag ist von den Hol- und Bringzeiten der Institutionen bestimmt. Nicht von meinem Rhythmus, nicht vom Rhythmus der Kinder. Für mich kein gutes Gefühl.

Aussteigen aus 20000 Gedanken am Tag

Was ich am meisten entlastend und erfrischend empfand in den drei Tagen, war das Aussteigen aus meinen eigenen Gedankenmustern und einzutreten in einen leeren Raum in mir, indem alles möglich ist.

Die Vipassana Meditation ist eine Technik, die Konzentration und Ruhe und Frieden bringt.

Dabei ist mir dieses Mal aufgefallen, wie nah sie an unseren Familienwerten für die Begleitung unserer Kinder ist.

Beobachten – nicht bewerten.

Das sind die zentralen Qualitäten. Dazu kommt: Fokus halten. Eine Parallele zur gewaltfreien Kommunikation. Auch geht es darum zu beobachten und möglichst nicht zu bewerten. Den Fokus im „präsent sein“ zu halten.

Wenn man bedenkt, dass wir ca. 20 000 Gedanken am Tag haben und die meisten davon unbewusst ablaufen UND immer die Gleichen sind – ja dann lässt sich vielleicht erahnen, was es mit einem macht, wenn man elf Stunden am Tag meditiert und aus seinem eigenen permanent ablaufendem Gedanken Karousell aussteigt. Es bringt Erleichterung und Entspannung.

Oft sagen Menschen: „10 Stunden am Tag Meditieren – das könnte ich nicht“ oder „das will ich nicht“ aber das ist meiner Ansicht nach doch nur der Verstand, der abwehrt, dass er nicht mehr so wichtig sein könnte. Dass er seine Bedeutung verlieren könnte. Ja ja, wir hier in unserer kopfgesteuerten Welt. Und ich glaube, viele vermuten, das kann einfach nicht entspannend sein.

Und es ist auch die Angst Kontrolle zu verlieren. Das Gewohnte zu verlassen. Gehirnimmanente Energiesparmaßnahme nennt man das. Das Gehirn spart evolutionsbedingt gerne Energie, das macht es u.a. so schwer gewohnten Pfade zu verlassen, welche auch immer das sind.

Ich werde jedenfalls so schnell wie möglich den nächsten Dreitageskurs machen. Im Frühjahr.

Nach zwei Wochen im Alltag verblasst die Erfrischung. Ich meditiere zu Hause auch noch aber den Raum dafür freizuschaufeln, gelingt mir nur manchmal. Und mal Abstand zu bekommen zum Alltäglichen und eine andere Sichtweise zu entwickeln – DAS ist Gold wert. Kennt man ja aus dem Urlaub.

Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass ich viel leichter einschlafe, wann immer ich im Bett beginne zu meditieren : ).

Von meiner Seite eine ganz klare Empfehlung, einmal im Leben einen 10 Tageskurs auszuprobieren. Eine riesen Bereicherung aus meiner Sicht.

Wer mehr über diese Meditation erfahren möchte klickt hier https://www.dhamma.org/de/schedules/schdvara für die offizielle Seite des Vipassanazentrums Deutschland in Triebel, die ich sehr ansprechend und informativ finde.

Hier ist meine Kurzzusammenfassung:

Die Vipassana Meditation in der Tradition wie sie S.N. Goenka selbst überliefert bekam

Die Vipassana Meditation ist direkt auf den historischen, bekannten Gautama Buddha zurückzuverfolgen.

Es ist eine Technik, die frei ist von weltanschaulichen Dogmen oder religiösen Inhalten.

Wie andere „Ismen“ wurde auch der Buddhismus von Menschen entwickelt, die in dem Fall Anhänger des Buddha waren aber die Vipassana Meditationstechnik ist davon unabhängig. Die gab es schon vorher.

So wird auch in den Vipassana Zentren nach Goenka auf der ganzen Welt jeder Mensch aufgenommen, der ernsthaft versuchen möchte, diese Technik zu erlernen unabhängig von Religion oder Rasse, Alter etc.

Es gilt nur, sich für die Dauer des Aufenthalts an einige Regeln zu halten, wie zu schweigen, keinem Wesen Leid anzutun -was auch vegetarisch essen beinhaltet-, nicht zu rauchen etc. Frauen und Männer sind die meiste Zeit getrennt.

Erlernbar ist die Methode dieser Schule, die von sich sagt, sie sei in dieser Form direkt auf den historischen Buddha zurückzuführen ausschließlich in 10 Tageskursen. Das ist die Zeit, die es braucht, um eine nachhaltige Einführung und Übungspraxis zu erlernen.

Es gibt auch andere Vipassana Traditionen, die z. Bsp. noch das Gehen integrieren.

Kosten: Vipassana Meditation nach Goenka finanziert sich ausschließlich durch Spenden.

Nachtrag: Jetzt ist Mitte April und ich hechel schon wieder..ich war zu spät dran mit der Registrierung und habe nun einen Wartelistenplatz für Juni. Ich hoffe, ich komm rein: ).

Die Triologie von Emotion, Spiel und Beziehung

Teil 3 meiner Übersetzung eines Gordon Neufeld Interviews vom März 2019 im Rahmen eines Online Kongresses über die „Bildung von morgen“. Sprachlich habe ich wenig angepasst und bin am gesprochenen Wort geblieben.

Für mich ist der folgende 3. Teil der bedeutungsvollste Teil.

G. Neufeld: Wir glauben die Technologie hilft uns, in Wirklichkeit fördert sie Wettbewerb oder eine digitale Abhängigkeit. Denn eine „depersonalisierte Verbindung“ ist so süchtigmachend wie Zigaretten und Alkohol. Es ist lächerlich, sie in die Hände unserer Kinder zu geben.

Sie sind wie in ein Keks.

Leere Kalorien.

Leere Intimität, es erfüllt nicht, es macht abhängig. Die Antwort darauf (das Benutzen digitaler Medien) muss sein: „nicht bis du voll bist mit Liebe, Bedeutung, und Gründen!“

Wir senden unsere Kinder hungrig in die Welt.

Frage: Was können wir in den Jahren vor dem Schuleintritt tun, um unseren Kindern bei ihrer Reife zu helfen?

Gegenfrage von Neufeld: Wo kommt denn die Reife bei Früchten her?

Von den Wurzeln! Gut verwurzelt zu sein, bedeutet Sicherheit zu spüren.

Mama und Papa müssen „ihre Arbeit machen“, den Kindern Bedeutung und Wärme geben und Sicherheit, das braucht das Kind um zu wachsen und zu reifen.

Nicht das Kind zu puschen sondern die Bindungswurzeln zu nähren.

Die Natur kümmert sich dann schon um alles Weitere.

Wir müssen ja eine Geranie auch nicht lehren zu wachsen. Wenn die Bedingungen gut sind, dann wächst sie gut, das Gleiche ist es mit einem Kind.

Verwurzelt und in Bindung. Sich ausruhen können bei Mama und Papa. Kontakt und Nähe.

Ausruhen ist der Schlüssel zu allem Wachsen in allem natürlichen Wachstum, dann entsteht Reife, was wiederum zum Lernen führt.

Das ist das natürliche Design. Wenn wir als Eltern unseren Job machen, dann können die Lehrer ihren Job machen.

Die Rolle des Spiels an sich

Frage: Welche Rolle hat das Spiel?

Das Spiel war das erste Thema in der antiken griechischen Philosophie, ein zentrales Thema der Zivilisation. Heute gibt es eine multidisziplinäre Wissenschaft, die die neurologischen Beweise für die Wichtigkeit des Spiels erforscht. Unglücklicherweise fehlt uns dafür noch das richtige „wording“.

Spiel ist in Aktivität involviert. Ergebnisoffen, nicht zielorientiert. Es geht um das Gefühl, nicht um ein Ziel. Die Natur „kümmert“ sich über Gefühle um uns.

Gefühle brauchen auch Ruhe, ein Drittel unseres Lebens ist Schlaf. Warum? Um klar zu denken.

Unsere Gefühle „arbeiten“ auch und brauchen Ruhe. Echtes Spiel ist eine Form von „aktivierter Ruhefunktion“.

Gefühle können sich da ausruhen. Lernen kann sich da am besten entfalten, das Gedächtnis kann sich da am besten entfalten.

Beziehungen, Gesundheit und Genesung. Echtes Spiel.

Das Verständnis für emotionale Spielplätze: Theater, Tanz, Musik, Kunst, das sind alles echte Spielplätze, solange sie nicht zielorientiert sind.

Sie sind die Schlüssel zu emotionaler Gesundheit und Wohlsein, wir brauchen da eine Feingefühl dafür in unseren Schulen.

Wir wissen, dass Emotionen unsere Gehirnentwicklung managen.

Wenn wir nun wissen, dass Gefühle sich um uns „kümmern“, so wissen wir, dass das Spiel sich um die Gefühle „kümmert“. Wir müssen da ein Feingefühl für diese Faktoren wiederherstellen.

Diese zwei Dinge: Beziehung und Spiel sind ein Katalysator für Bildung.

Beziehung und Spiel sind bei uns ausgegrenzt in unseren Schulen. Das müssen wir betrachten!

50% der Schule sollte sich um die Gefühle kümmern.

Die Forschung dazu fragt sich: wie sieht eine Schule aus, die die größtmögliche emotionale Gesundheit fördert und die kleinstmögliche psychische Erkrankung?

Die Bildungsforschung dazu dachte, soziale Programme in den untersuchten Schulen wirken psychischen Erkrankungen am ehesten entgegen.

Es waren aber Schulen mit Chor (die eine positive Wirkung zeigten)!

Wegen der Musik!

In Deutschland gibt es nur diese riesige Arbeitsethik.

Sobald es Noten gibt, zielorientiert ist, verliert der Prozess den Wert.

Deutschland war einstmals führend im Wert der Schule. Aber nicht mit mehr Härte, sondern mit Menschlichkeit und Leidenschaft!

In Südfrankreich ist jeder Künstler. Ohne Qualitätsnachweis. In Italien jeder ein Opernsänger.

Emotion, Beziehung, Spiel: dann fällt alles an seinen Platz. Das ist die Triologie.

Nicht Technologie.

Diese Trias und unsere Kinder werden zivilisiert und menschlich.

Frage: Wie schaffen wir Systemwandel?

Was können wir tun, das zu wachsendem Bewusstsein im Schulsystem führt?

Antwort: Kurse kreieren und Lehrer und Eltern nehmen daran teil.

Wir müssen unsere Wege dahin finden.

Frage: Welche Hoffnung gibt es da?

Genügend Verständnis und z. Bsp. Interesse an Neufelds Kursen, die es in sechs verschiedenen Sprachen gibt.

Einfach damit zu „sitzen“ (Anmerkung, es auf sich wirken zu lassen, damit zu sein).

Ob es intuitiv Sinn macht, dann passieren Veränderungen und Anpassungen automatisch.

Ein Kinderarzt erzählt…

(Nachfolgendes Gespräch hat tatsächlich so stattgefunden. Der 0-Ton des Arztes entstammt meinem Gedächtnisprotokoll.)

Neulich im Gespräch mit unserem Kinderarzt:

„Ja was glauben Sie, wie sich das (er meint die Eltern mit ihren Kindern) bei mir am Freitag und am Montag häuft. Und das wird immer mehr, von Jahr zu Jahr!“ ( er hat eine Pädiatrische Praxis seit etwa 15 Jahren)

Empört wirkt er auf mich. Und ratlos.

„Die Verunsicherung der Eltern wird immer größer. Da fehlt Gelassenheit. Das ist auch ein gesellschaftliches Problem aber die Medizin hat da auch selbst schuld dran.“

Ich: „sie meinen wegen der Pathologisierung?“

„Ja. Wegen jedem Kopfschmerz wird gleich ein CT gemacht und ein Hirntumor vermutet“. (Das aus dem Mund eines Arztes, ich staune ein bischen aber er kennt meine reflexive Haltung zu unserem Gesundheitssystem und das wir uns sehr viel mit gesundheitlichen und medizinischen Fragen beschäftigen).

Er fährt fort: „Und was hab ich viele Frauen gesehen, die nicht mehr guter Hoffnung waren, sondern die ganze Schwangerschaft Angst hatten, weil die Nackenfalte zu dick gemessen war. Und letztendlich war das Kind aber gesund.“

Ich denke an die eine Statistik diesbezüglich, von der eine befreundete Heilpraktikerin und Rettungssanitäterin mir erzählte. Wie viele „falsch positive“ Ergebnisse es bei der sogenannten Nackenfaltenmessung gibt. Sie selbst eingeschlossen hatte auch ein „falsch positives“ Ergebnis in ihrer Schwangerschaft und sich deswegen anschließend damit befasst Und sich dann zum Glück nicht verrückt gemacht. Eine andere Frau hat mir erzählt, ihr wurde in der Schwangerschaft mit ihren Zwillingen gesagt, ein Zwilling wäre tot! Das war allerdings schon vor 18 Jahren. Beide Kinder kamen gesund zur Welt. Aber sie war die ganze Schwangerschaft über tottraurig.

Mir fallen die Ultraschallgewohnheiten in Deutschland während der Schwangerschaft ein, die Frequenz ist in Deutschland viel höher als in anderen Ländern. In Amerika ist zum Beispiel routinemäßig nur ein Einziger vorgesehen.

Tja.

Fluch und Segen.

Die Dosis macht das Gift.

Solche Sachen gehen mir durch den Kopf.

Und: „German Angst“.

Kennt ihr den Begriff“ German Angst“? Fällt mir immer wieder ein, denn im Alltag merke ich immer wieder, dass ich in manchen Dingen so gar nicht „german“ bin. Was ich ja tatsächlich nicht bin.

Und dann führten wir noch ein kurzes Gespräch über den gesellschaftlichen Wandel, den heute fehlenden Austausch und Input durch ältere, erfahrene Generationen, wie das früher eben normal war und die familiäre Erfahrung im Alltag ganz selbstverständlich weitergegeben wurde.

Über die Entfremdung von Kindern und Eltern durch immer mehr Zeit, die sie immer früher getrennt voneinander verbringen. Da ist es schwer ein Gefühl für den anderen zu entwickeln oder so was wie einen Instinkt oder auf den gesunden Menschenverstand zu vertrauen, wenn es einem niemand mehr vorlebt.

Oder Vertrauen zu entwickeln.

Tja: die Kehrseiten von Konzepten der Ganztagsbetreung…

Statt dessen stehen die Eltern dann in der Kinderarztpraxis.

Multifaktorielle Ursachen

Das ist wohl der Stress oder soll ich sagen der Wind des Kapitalismus, der in unserer Gesellschaft weht und überall für Anspannung sorgt. Ja, gesund ist da ganz vieles nicht.

Ich denke an die überall grassierende Privatisierung der Krankenhäuser und Kliniken, die dazu führt, dass Krankenhäuser keine reinen Heilanstalten mehr sind, sondern vor allem Betriebe, die Gewinn erwirtschaften müssen. Und wie erwirtschaftet man Gewinn?? Auf dem Rücken der Patienten.

Dies passiert wohl oft über Pathologisierung und den häufigen Einsatz von teurer Apparatemedizin. Und da beißt sich die Katze eben in den Schwanz. Ein Teufelskreis.

Neulich erzählte ein Anästhesist bei Markus Lanz Folgendes: er arbeitet hauptsächlich in der Palliativ Medizin. Da wird ordentlich am Sterben verdient. Er hat gerade ein Buch veröffentlicht, wo er darüber berichtet wie Todkranke noch teure, aus seiner Sicht Leid verschlimmernde Operationen bekommen, über den Wunsch auf lebenserhaltende Maßnahmen zu verzichten -trotz Patientenverfügung!- einfach hinweggegangen wird (besonders wenn es sich um Privatpatienten handelt) und Menschen wochen-, und teilweise monatelang am Leben gehalten werden, denn das bringt Kohle. Klingt unglaubwürdig? Ich konnte es auch kaum glauben.

Leidverschlimmernd, hm. War da nicht so was wie der hippokratische Eid?

Ich war auch völlig fassungslos, als er in der Runde erzählte wie eine Leiche ungelogen 24 Stunden beatmet wurde und als er dazu kam, schon die Totenstarre eingetreten war. Mutiger Mann. Deckt auf, wo rücksichtslos Geld verdient wird auf Kosten der Menschlichkeit und der Krankenkassen und damit der Solidargemeinschaft und unser aller Geldbeutel. Findet in seiner Branche auch nicht jeder gut, wie er selbst erzählt.

Vom Tod zur Geburt

Mir fällt die Kaiserschnittquote ein in Deutschland.

Im Schnitt 33 Prozent. Jede dritte Frau kann nicht mehr gebären?

Daran verdient eine Klinik im Übrigen auch gut.

An einer natürlichen Geburt nicht so richtig.

An einer natürlichen Geburt, die länger dauert als 18 Stunden erst recht nicht.

Dass systemimmanent eher ein schneller Geburtsverlauf angestrebt oder vielleicht sogar forciert wird, das höre und lese ich immer wieder. Von Betroffenen und KritikerInnen der momentanen Krankenhaus Geburtskultur als auch auch von Hebammen. Geburtseinleitungen, die oft eine sogenannte Interventionskaskade auslösen und von denen viele viele Frauen ihr Leid klagen können.

Im Übrigen wurde die Dauer, die eine natürliche Geburt in Deutschland dauern darf, bevor definitiv eingegriffen wird, vor einigen Jahren herabgestuft von 48h auf maximal 24h.

Ja und mit welchen Folgen?

Andere Länder, andere Sitten oder was?

Und in Frankreich darf eine komplette Schwangerschaft insgesamt einfach mal eine Woche länger dauern. D.h. die Übertragungszeit beginnt dort eine Woche später.

Hallo was? In der Zeit, in der in Deutschland schon einige Ärzte panisch werden und Geburten einleiten, Hausgeburtlerinnen alle drei Tage zum Arzt beordert werden, ist in Frankreich noch alles ganz normal im Verlauf?

Warum?

Das wusste selbst meine sehr erfahrene, gebildete Hebamme auch nicht. Hat „man“ (wahrscheinlich „Mann“) so festgelegt.

Aber gemessen an China und Brasilien, wo Kaiserschnitte auf Wunschtermin und Sternzeichenwunsch modern sind, sind die Verhältnisse hier natürlich besser.

Ich denke an den Film Microbirth, für den ich eine Passage mitübersetzt habe und wo es um die langfristigen Auswirkungen von Kaiserschnitten auf Public Health, d.h. die gesamtgesellschaftliche Gesundheit geht und welche Kosten dies für die Gesellschaft und die damit verbunden Gesundheitssysteme verursacht. Und ja, da geht es um Milliarden. Milliarden, die jemand verdient und Milliarden, die jemand zahlen muss, nämlich wir, die Solidargemeinschaft. Und den Preis zahlen natürlich auch die Kinder mit ihrer Gesundheit. Das ist pure Forschung. Mehr Allergien, Mehr Stoffwechselerkrankungen usw. Schöner Film, schaut ihn euch an. Die Auswirkungen von Kaiserschnitten auf das menschliche Mikrobiom.

Klar: für ein Frühchen ist die moderne Medizin ein Segen! Für viele schwere Erkrankungen auch! Auch die Notfallmedizin. Nein ich bin froh über vieles, was ich hier nutzen kann. Keine Frage. Zwei meiner Kinder hatten auch mehrere Jahre eine chronische Erkrankung.

Aber sollten wir als Gesellschaft nicht die Kirche sozusagen im Dorf lassen? Geht es nicht vielmehr vor allem darum, unseren gesunden Menschenverstand und eine gutes Bewusstsein für uns und unsere Gesundheit entwickeln? Und vor allem eigenverantwortlich Informationen und Meinungen einholen, um auf einer fundierten Basis die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Stichwort Selbstermächtigung.

Ja, mehr Gelassenheit und gesunder Menschenverstand. Da hat er schon recht der Doc. Das täte uns allen gut.

Und Ministerämter zu schaffen, die Lobbyismus kontrollieren, wären auch eine feine Sache.

Finde ich.

In allen Bereichen. Und so endet unser Gespräch in so etwas wie gegenseitigem Einvernehmen: Bedauern über einige Aspekte des gesamtgesellschaftlichen Wandels und Verlusts von gesundem Menschenverstand und der Hoffnung, dass sich die Dinge doch irgendwie gut entwickeln mögen.

Werden unsere Schüler immer dümmer? Teil 2 meiner Übersetzung eines Interviews mit Gordon Neufeld

Werden unsere Schüler immer dümmer?

Fortsetzung:

Bereits kleine Investitionen in die Lehrer-Schüler-Beziehung haben messbar bemerkenswerte Auswirkungen auf das Lernen.

Der Fokus

Wir sollten die Richtung unseres Fokus‘ ändern, WIE wir unterrichten und uns auf den Kontext fokussieren. Sogar in der Uni lernen wir am besten da, wo wir eine Bindung haben.

Als Eltern wissen wir das auch intuitiv: wir wollen wissen, ob unsere Kinder ihre Lehrer mögen oder nicht!

Es geht im übrigen nicht darum, dass nur die Lehrer die Bindung aufbauen, sondern die Schüler natürlich auch zum Lehrer/Dozent.

Wir müssen also heraus finden, wie wir diese Beziehung kultivieren können, wie solche Beziehung aussehen können, um Schüler*innen ihr Lernpotenzial realisieren zu lassen.

Wie sollten diese Beziehung zwischen Lehrer und Schülern also aussehen?

Aus Perspektive des Lehrers: Was kann der Lehrer denn tun? Oder ist das Zufall?

Neufeld meint dazu Folgendes. Es gibt 3 einfache Punkte: man könnte fast sagen uralte „Rituale“, die aus allen Kulturen stammen und „Kultur“ gelingen lässt. Er nennt es eine „community von Verbindung“. Die Characteristica sind wie schon erwähnt, dass die Lehrer das Bindungsbedürfnis der Schüler bedienen?
Ganz einfach. So wie wir das auch privat dauernd machen.

Die einfachste Manifestation ist: Wir (er spricht von sich und den Pädagogen und Lehrern interpretiere ich), sollten sicher stellen, uns zu grüßen! Wir versuchen Augenkontakt herzustellen, Lächeln hervorzurufen, Ohne Augenkontakt gehen wir erst mal kaum miteinander in Kontakt. Das gehört intuitiv zur Kontaktaufnahme dazu.

Dann ein „Augenlächeln“ zu bekommen. Miteinander über Augenkontakt in Kontakt zu treten. Gemeinsam zu lächeln. „Das ist wie eine Einladung in meiner Präsenz zu existieren!Und das ist der herausragende Mangel/ das herausragende Bedürfnis!! Was es braucht.

So kommunizieren wir. So laden wir ein, uns zu verbinden.

Besondere „settings“

Bei Autisten geht dieses „Abholen“ natürlich anders, Augen sind zu empfindlich, oder asiatische Kinder, da geht es über die Ohren da sagt man was, was sie zum lächeln bringt, über die Ohren. Zuerst verbindung schaffen, dann unterrichten.

Anmerkung: in 50 Minuten kann er nicht alles in der Tiefe erläutern und geht hier nur kurz auf Schüler mit besonderen Bedürfnissen ein.

Der Bindungsinstinkt

Wenn wir nicht den Bindungsinstinkt „bedienen“, dann kooperieren Menschen nicht gut oder machen sogar das Gegenteil von dem, worauf wir abzielen. Dann entsteht eine Art Widerwille. Wir wollen nicht, dass jemand uns seinen Willen aufzwingt.

Diese Grunddynamik verkrüppelt das komplette Schulsystem heute. Weil wir darin versagen, das Kind in den Kontext der Beziehung mit uns zu führen. Wenn sie (die Lernenden) „dort“ (in Beziehung) sind, schmilzt alle Gegenwehr, sie wollen von uns lernen, sie geben ihr Bestes, die Schüchternheit verschwindet. Wir müssen unsere Schüler abholen und Rituale der Verbindung schaffen.

Kleine Rituale der Verbindung erfahren ist wichtig, wir benutzen Spiele dafür. Die Forschung sagt, wenn wir spielerisch sind, verbinden wir uns viel leichter miteinander.

Es gibt so viele Arten, wie wir das schaffen.

Zwei andere sind: Wenn wir eine Verbindung habe, dann müsse wir unseren Schülern zeigen, dass sie uns wichtig sind, dann sind sie in der Lage, freiwillig mit uns in Verbindung zu treten. Zum Beispiel über Abschied. „Ich freue mich dich morgen zu sehen, wir kriegen das hin..“ etc. also kommunikativ. Also eine Begrüßung und unser personalisierter Abschied.

Alle Filme über meisterhaften Lehrer basieren hauptsächlich darauf:

was einen meisterhaften Lehrer ausmacht, ist nicht Überlegenheit, Pädagogik und Curriculum sondern Großartigkeit in der Beziehungsfähigkeit und Beziehungsaufbau. Beziehungsaufbau, ob sie es bewusst tun oder nicht.

Dann Verbindungen vermitteln und aufbauen mit anderen Menschen. Wenn eine Verbindung/Beziehung da ist, dann ist das das nächste Bindungsmittel der Wahl. Weitere Bindungen aufbauen. Überall. Diese drei einfache Bindungsrituale und Punkte können unsere Schule völlig transformieren!

Das verbessert sogar Noten. Dies ist lässt sich sogar im akademischen Umfeld beobachten. So kreierst du einen Kontext, in dem jeder Student natürlicherweise lernen will. Merke: Du änderst nichts an Pädagogik, Curriculum, Stundenanzahl, du entfernst die Haupthemmschwelle, das Haupthindernis.

Es ist nicht kompliziert und machbar.

Und man muss dies nicht mit allen Schülern machen, denn manche gehen von selbst in Beziehung, manche brauchen es weniger, man muss es vor allem mit denen am Rand machen, die nicht von selbst aufblühen, sie ins Verbindunggsnetz hineinbringen. Sie arbeiten dann viel lieber, sind engagiert dabei etc.

Das ist die Macht der Bindung.

Frage: Ist es so, dass Schüler schwieriger zu unterrichten sind als vor etwa 20 Jahren?

Ja, definitiv ist es schwieriger. Trotz wachsender Erfahrung und verbesserter Rahmenbedingungen.

Hauptsächlich, weil Kinder nicht mehr so erwachsenenorientiert sind. Ursprünglich hatten Kinder automatisch eine Bindung zu ihrem adulten Umfeld. Nach dem 2. Weltkrieg in den 60iger Jahren, begann das Phänomen, dass Kinder sich um um sich selbst drehen, weil sie aus dem Gefüge/dem Orbit der sie umgebenden Erwachsenen, Eltern, Großeltern genommen wurden.

Nicht so sehr in Deutschland, wie etwa in Großbritannien. In England ist es besonders so, dass die Kinder fast nicht mehr lehrfähig sind. Wegen der Peer Orientierung. Die meisten Kinder gehen nicht zu Schule, um zu lernen sondern um mit ihren Freunden zusammen zu sein. Das passiert überall.

Heute denkt jeder, das ist normal und das war schon immer so. Aber das stimmt nicht. Die ganze Lernkultur und die Gesellschaft haben sich verändert.

Der Grund für Bindungsverhalten ist, dass wir instinktiv annehmen die natürliche Umgebung kümmert sich schon um uns. Wenn wir bindungsorientiert leben, dann springt sozusagen unser sozialer Instinkt an, wir nehmen aufeinander Rücksicht, wir kümmern uns umeinander.

Peers sind nicht dafür gedacht, diese Aufgabe zu übernehmen. Sondern Erwachsene.

Wenn wir sie also „einladen in unserer Präsenz zu existieren“, ihnen signalisieren, dass sie an unserem Tisch willkommen sind, hier gibt es Antworten im Sinne von Bedeutung für deine Sehnsüchte, Hoffnungen, Sicherheit, Wichtigkeit, dann ist das Ergebnis, dass sich ihr Lernpotential einfach entfaltet. Sie werden unsere wahren Schüler*innen. Dann wollen sie von uns lernen, unsere werte annehmen, so sprechen wie wir etc.

Frage: Warum gibt es also diese Peer Orientierung?

Das war auch ein Motor für unsere digitale Revolution. Obwohl wir (Anmerkung: Generation der Best Agers und Baby Boomer) dabei waren, diese digitalen Einrichtungen zu erfinden, dachten wir, es endet im Informationszeitalter. War aber nicht so.

Wir sind als Spezies letztendlich gar nicht so sehr an Information interessiert, weil unser Gehirn gar nicht so viele Informationen aufnehmen kann. Mehr als 95% der verfügbaren Information können wir nicht verwerten.

Wir suchen nicht Information sondern Verbindung!

Suchterzeugung und Pseudoverbindungen

Was also passiert ist, ist dass wir diese digitalen Produkte in der Schule eingeführt haben und was dann passiert ist, ist das die Schüler sie sofort als soziales Medium wiederverwenden. Und es ist suchterzeugend. Denn nichts ist suchterzeugender als das, was nur fast funktioniert.

Es funktioniert nicht richtig, weil die Schüler nicht mit denen Verbindung aufnehmen, die dazu gedacht sind, auf sie zu achten, für sie zu sorgen.

Wir haben jetzt ein weiteres ein Problem im Schulsystem: die Hauptbeschäftigung der Schüler*innen ist jetzt, sich miteinander mit ihren digitalen Geräten zu verbinden und es ist sehr schwer da durchzudringen zu ihnen. Wir müssen also ganz am Anfang anfangen. Verbindung aufbauen. Es ist so ironisch. Ich war in Kasachstan auf dem Welt Reform Education Forum. Der Trend dort war: „wir nutzen mehr Technologie für mehr Unterricht“ etc.

Aber darum geht es aus meiner Sicht nicht. Wir müssen unsere Schüler zurück bekommen und das thema ist Beziehung und Bindung. Sie einladen in unserer Existenz zu existieren.

Social Media ist wichtiger als Google!

Als westliche Gesellschaft investieren wir Milliarden in die digitale Ausstattung/Technologie von Schule. Jeder denkt, DAS ist Fortschritt.

Jeder denkt, wir sind immer noch im Informationszeitalter. Aber das hat sich verändert.

Aber Social Media ist viel wichtiger für Studenten als Google. Verbindung ist wichtiger als Information.

Wir sind so naiv zu glauben, Studenten nutzen die Technologie so, wie wir denken, dass sie sie nutzen sollten. Es ist unglaubliche Technologie, Zugang zu universeller Information, aber das Problem ist, unsere Schüler suchen digitale Intimität und alle Untersuchungen zeigen, es konkurriert mit realen Beziehung, es nimmt sie aus dem Orbit von echten Beziehungen. Ich glaube, die Schulsysteme werden merken, es wird nicht funktionieren, wenn wir keine Verbindung miteinander haben.

Teil 3 folgt

Werden unsere Schüler immer dümmer?

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Warum unsere Gesellschaft immer unreifer wird und was wir dagegen tun können oder: der Verfall der Lernkultur und des schulisch vermittelten Wissens.

Betrachtungen anhand eines Interviews mit dem Entwicklungspsychologen und Lernforscher Gordon Neufeld.

Teil 1:

Gordon Neufeld ist ursprünglich klinischer Psychologe, lehrte an Universitäten, forschte u.a. in Jugendgefängnissen zu den Themen Lehr-Lern Beziehungen und gelingenden Bildungsprozessen.

Eine zentrale Fragestellung von ihm ist:

Warum funktioniert Unterricht für manche Kinder besser und für manche schlechter? Oder gar nicht?

Ich finde seine Ausführungen über die Bedeutung der sogenannten „Gleichaltrigenorientierung“ und die Wichtigkeit von Bindungsprozessen in Lehr-Lernbeziehungen schon länger interessant. Sie entsprechen in vielem meinen eigenen Beobachtungen der letzten 7 Jahre und meinem Wissen um Lernprozesse und Potenzialentfaltung. Daher habe ich letzte Woche ein längeres Interview von ihm übersetzt, das im Rahmen eines Onlinekongresses über die Zukunft der Bildung stattfand.

Neufeld selbst stammt aus einer Familie mit sehr vielen Lehrern und entwickelte später auch Kurse für Lehrer und Psychologen am dafür gegründeten Neufeld Institut. Sein bekanntestes Buch ist wahrscheinlich: „Unsere Kinder brauchen uns“.

Hier stelle ich einige seiner Schlüssel Thesen vor, die er im Laufe seiner Arbeit und Forschung entwickelte und herausarbeitete. Früh erkannte er, dass das wichtigste Moment für gelingende Lehr-Lern-Beziehungen, die Bindung ist.

In meinem Text bleibe ich ziemlich genau am Ablauf des 50 minütigen Interviews und am Originalton von Gordon Neufeld. Daher ist manches vielleicht etwas ungeschliffen. Man möge mir das verzeihen : ).

Die Bedeutung von Curriculum, Pädagogik und Methodik

Curriculum, Pädagogik und Methodik sind seiner Meinung nach nachgestellt, was die Entwicklung des Bildungspotentials von Kindern und Menschen im Allgemeinen angeht. In Fachkreisen geht es aber meist genau darum, wenn die Frage nach Verbesserungen der Lernbedingungen und Leistungen diskutiert wird. Aus seiner Sicht ist dies nicht so wichtig.

Ein weiterer Faktor ist, dass Kinder in ihren Bedürfnissen nach Lernbegleitung variieren und das ein wichtiger Punkt ist, den die Pädagogen beachten sollten, um eine gelingende Lehr-Lern-Beziehung mitzugestalten.

Der wichtigste Faktor dafür ist die Bindung.

Dies ist ein grundlegender Faktor für alle Lebewesen: wir lernen da am besten, wo eine emotionale Bindung besteht.

Gründe dafür sind, dass Bindung für den Menschen anthropologisch und evolutionsbiologisch gleichbedeutend mit Überleben ist und das Gehirn dies quasi als Priorität für gutes „Funktionieren“ (in diesem Fall Lernen) voraussetzt.

Anmerkung: Wer sich mit dem Thema schon beschäftigt hat weiß schon, dass vor gelingenden Bildungsprozessen IMMER eine gelungene Bindung stattfinden muss.

Wenn also der Mensch an seine Lehrperson gebunden ist, dies betrifft besonders Kinder aber auch alle anderen, öffnet sich das Gehirn sozusagen und das beinhaltet sogar universitäres Lernen wie auch Lernprozesse von Dreijährigen oder noch Jüngeren.

Wir sind alle Bindungswesen und suchen intuitiv und unbewusst nach Nähe. (Anmerkung: evolutionsbiologisch ist das erste Ziel das Zusammensein und Gemeinschaft. In diesem Kontext funktioniert Lernen einfach am besten.

Wenn wir „richtig heranreifen“ können (Neufeld bezieht sich da auf ein Sein im großen „Rudel“ – einer altersdurchmischten Gruppe-, dann beginnen wir Menschen schließlich uns automatisch nach außen zu orientieren und auch durch unsere Fehler zu lernen. Wir lernen dann durch die sogenannte „Dissonanz“ aber auch „Versuch und Irrtum“.

Anmerkung: kognitive Dissonanz wie ich sie verstehe, bedeutet ein „Abgleichen“ meiner Vorstellung von etwas und ihrer wahren Natur bzw. Realität. Beispiel: ich glaube, dies oder jenes gelingt mir gut, stelle aber in der Realität fest, das dies nicht so ist. Dann übe ich, bzw. passe mein „Sein“ damit so an, dass mir die gewählte Aktivität irgendwann gelingt. Andere Strategien damit umzugehen, gibt es auch.

Unterschiedliche Bindungstypen

Das Problem mit dem Erziehungsystem weltweit ist, dass meist angenommen und so gearbeitet wird, dass Lernende in ihren Bedürfnissen nahezu alle gleich veranlagt sind, was aber nach Neufeld nicht so ist. Anmerkung: man kennt das auch aus der Bindungstheorie und den verschiedenen Bindungstypen)

Die Effizienz des schulischen Lernens verschlechtert sich messbar in weiten Teilen der westlichen Gesellschaft

Lernende unterscheiden sich SEHR in diesem Punkt. Manche lernen nicht aus Fehlern, mache nicht durch Dissonanz, mache sind von sich aus nicht offensichtlich neugierig.

Warum gibt es so große Probleme mit dem Lernniveau?

Die Schüler verändern sich. Das ist das Problem. Das sollten wir uns anschauen.

Unser ganzes Schulsystem basiert nach Neufeld in vielem auf einem „Unterdrückungsmodell“.

Eine wachsende Menge an Kindern zeigt diese Option der Lernmöglichkeit nicht mehr.

Anmerkung: ich glaube er meint, dass autoritäres Verhalten nicht mehr so „zieht“ wie früher.

Ein anderes Problem ist, dass immer mehr Kinder im Alter zum Schulübergang die Schulreife nicht mehr haben, diesen „inneren Schüler“ noch nicht entwickeln konnten.

Anmerkung: warum, darauf kommt er später zu sprechen.

Die Antwort der „Fachleute“

Die Antwort der Fachwelt, unsere Antwort darauf, ist länger und intensiver zu unterrichten (Stichwort Frühförderung und Ganztagsunterricht), das Curriculum zu ändern, es gibt jede Menge Reformbewegungen im Schulsystem aber niemand adressiert das wirkliche Problem.

Wir haben die besten Lehrer, die besten Curricula, die besten Technologien und wir „verlieren dennoch Boden“. Warum?

Sollte eine gewisse Reife da sein, bevor ein Kind zur Schule geht?

Was können wir also tun, wenn wir diese Unreife feststellen UND ganz generell?

Die meisten Kinder lernen von ihren Peers, weil dort die Bindung am stärksten ist.

Sie gehen ja in die Schule, um mit ihren Freunden zusammen zu sein.

Wir sollten daher die Bindung zwischen Schülern und Lehrern bzw. Erwachsenen aufbauen, um einen gelingenden Lernraum zu öffnen und zu gestalten.

Teil 2 folgt.

Unter 3: mit Leichtigkeit zum ABC

Sieht das Kind etwa schlecht?

Die Arzthelferin war irritiert. Warum kam denn die Antwort bloß so langsam? Die Bilder waren doch ganz eindeutig und leicht zu erkennen!

Vielleicht ein Indiz für eine schwere Sehschwäche?

„Sie müssen die Schrift abdecken, er liest es ab“, sagte der Vater.

Was? Sie war noch irritierter. Der Junge war doch gerade erst 5 geworden!

Sehr besonders.

Gar nicht besonders sage ich, sondern ganz normal. Wenn man über bestimmte Lernfenster Bescheid weiss und sie liebevoll nutzt. Im Übrigen machten das auch laut Vera Birkenbihl die alten Römer schon so: Ihren Kindern zwischen 2 und 3 Jahren die Buchstaben beizubringen.

Die Szenerie: U-Untersuchung mit 5. Die Bildgalerie mit den Gegenständen, die vom Kind zu benennen sind, um festzustellen, ob Sprache und kognitive Fähigkeiten sich gut entwickeln. Unter dem Bild steht der Begriff geschrieben, warum auch immer.

Der Junge ist im Übrigen mein mittlerer Sohn und der Vater mein Mann.

Laut Maria Montessori ist ein gutes Zeitfenster um Buchstaben zu lernen zwischen zwei und drei Jahren, bzw. im Kindergartenalter.

Das hatte mir eine Freundin, die Sonderpädagogin und in „Montessori“ fortgebildet ist, verraten.

Und mir erschien ganz logisch, dass ein Kind in der Entwicklungsphase, in der es lernt alle Gegenstände zu benennen und seinen Wortschatz auszubauen auch leicht lernt, bestimmte -sagen wir- Zeichen zu benennen. In diesem Fall Buchstaben.

Lernpsychologisch und pädagogisch ist es sinnvoll, dies ohne Druck und quasi ganz unabsichtlich erscheinend „nebenbei“ anzuregen. Wenn man es denn überhaupt in irgendeiner Art sinnvoll findet, dieses Lernfenster nicht der vorgegeben Schulzeit oder dem Kind selbst zu überlassen.

Da wir das, was im Kind angelegt ist gern unterstützen und wir planten unsere Kinder in eine freie Schule zu schicken, wo diese „Skills“ später aus verschiedenen Gründen nützlich sein könnten, haben wir das auch gemacht: den Kindern die Buchstaben gezeigt zwischen 2und 3. Gezeigt, nicht beigebracht oder: gezeigt und dadurch beigebracht. Wie man will.

Und die beiden Älteren haben um das Alter 4 angefangen die Buchstaben zusammenzuziehen und zu lesen und etwas zeitversetzt zu schreiben.

Meine Tochter schrieb mit vier das erste Mal aus eigenem Antrieb mit Stift eine Einkaufsliste. Mein Sohn, ganz Junge, und mit dem Feinmotorikkram naturgegebenermaßen in einem anderen, späteren Entwicklungsfenster, schrieb sein erstes Wort im Waldkindergarten mit einem Stöckchen in die Erde. Mit viereinhalb. Und zwar UHU.

Und dann mit Kreide auf den Asphalt.

Ganz von selbst. Dazu muss man wissen, dass Jungs und Mädchen meist andere Entwicklungsfenster haben, was die Entwicklung der Feinmotorik angeht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch schön nachzulesen bei z. Bsp. Stephen Biddulph: Jungen: Wie sie glücklich heranwachsen.

Wir haben die Kinder bewusst nie bedrängt, nie gelobt oder angetrieben. Was wir aber sehr wohl getan haben, war die Aufmerksamkeit auf Buchstaben gelenkt und sie so spielerisch eingeführt. Und uns gefreut, wenn sie sie wiedererkennen.

Und im Alltag gibt es, ganz nebenbei, sooo viele Möglichkeiten Buchstaben in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken.

UmArmen

Im Aufzug, beim Einkaufen, Tanken, auf Nummernschildern und Verkehrsschildern, Reklamen etc.

Überall umgeben uns Buchstaben.

Und da wir das Ganze bewusst mitgesteuert hatten, haben wir auch entsprechendes Material zu Hause ausgelegt und zur Verfügung gestellt. Buchstaben gibt es bei uns in allen erdenklichen Ausführungen. Als Puzzle, in verschiederlei Gesellschaftsspielform, als Aufkleber, in Magnetausführung, zum Nachfahren mit dem Stift. Als Poster und natürlich in verschiedenen Büchern.

Dann und wann legen wir das Material aus, gehen spielerisch damit um und bei unseren beiden älteren Kindern dauerte es etwa neun Monate und die Kinder kannten alle Großbuchstaben und einige Kleinbuchstaben. Die restlichen Kleinbuchstaben kamen dann so nach und nach.

Momentan ist mein Kleinster „dran“. Er ist zweieinhalb und „kann“ O, E, A, e und P.

So ist das mit dem ABC in unserer Familie. Für mich und uns „Empowerment“.

Auch mit Musikinstrumenten umgeben wir unsere Kinder und uns gern. Es gibt jede Menge Trommeln, Flöten, Rasseln, Klangstäbe, ein Akkordeon, Mundharmonika, mittlerweile 4 Ukulelen und 3 Gitarren und ein Klavier. Da ich lange als Schauspielerin und Musikerin gearbeitet habe, bevor ich nochmal studiert habe und auch mein Mann eine Kunstader hat, ist das ein weiteres Feld, was wir gerne „aufmachen“. Meine Tochter hatte 1,5 Jahre Klavierunterricht, nicht im herkömmlichen Sinn, sondern in einem ganz Besonderen. Mit „relativer Solmisation“ und ohne Druck. Das hat wunderbar funktioniert. In der Schule langweilt sie sich jetzt dafür beim Flöten mit 32 anderen Kindern, wo alle natürlich mitkommen sollen.

Auch Material aus dem Bereich Erdkunde ist sehr beliebt. Mein Sohn hat da seine ersten Leseversuche gemacht. Ländernamen.

Dann haben wir z. Bsp. noch Material aus dem Bereich Geometrie.

Warum schreibe ich das alles? Bin ich eine Angebermama?

Nein : ) Und unsere Kinder spielen hauptsächlich zu Hause ganz frei.

Aber wenn wir es unseren Kindern leicht machen können an der Stelle: Warum nicht?

Denn es geht nicht darum, was meine Kindern können, sondern dass das Wissen um Lernfenster beschränkt ist, auch bei vielen Pädagogen. Und vor allem das WIE. Kinder lernen am besten oder soll ich besser sagen am liebsten „nebenbei“, unabsichtlich und ohne „Bewertung“ wie: „Oh, das hast Du aber toll gemacht“. „Ja fein“! Oder gar: „Jetzt kriegst Du aber noch ein Stück Schokolade!“ Ist ja auch kein Hund so ein Kind.

Viele Eltern wissen nicht, wie sie es anders machen sollen, weil es Ihnen niemand gezeigt hat und es kein Schulfach „Eltern werden mit Verstand und Herz“ gibt. Abgesehen davon, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dahin gehen, die Kinder aus dem „zu Hause“ in Instiutionen mit „Fachpersonal“ zu bringen. Am besten den ganzen Tag. Da bleibt also oft wenig Zeit für Mama und Papa auch noch DA am Start zu sein.

Und die meisten von uns sind selber mit Lob und Strafe aufgewachsen. Und die Eltern unserer Eltern noch mit „Zucht und Tadel“. Jede Generation macht es so gut sie kann.

Alles eine Frage der Entwicklung.

Und wenn ein Kind mit Buchstaben und Zahlen ein ganz anderes Lernfenster hat, als andere, dann entwickelt es ziemlich sicher gerade einfach Kompetenzen in anderen Bereichen. Dann sind Buchstaben und Zahlen eben später dran.

Das ist dann in der Regelschule natürlich ein Problem. Bei uns. Schauen wir nach Finnland, sehen wir wie dort wie erfolgreich in jahrgangsübergreifendem, projektbezogenen Unterricht ohne Hausaufgaben und Noten umgestellt wird. Ohne feste Klassen.

Blicken wir in die Neurobiologie sehen wir, wie bei bildgebenden Verfahren das selbe Hirnareal für Schmerz wie für Wettbewerb, Vergleich und Bewertung aufleuchtet. Scheint nicht in der Natur des Menschen zu liegen Vergleich und Wettbewerb. Hier geht’s natürlich nicht um spielerisches Wetteifern.

Da gibt es ganze Wissenschaftsrichtungen, die darüber streiten ob „survival of the fittest“ oder das Prinzip „Kooperation“, das erfolgreichste Prinzip der Evolution ist. In neuerer Zeit liegt Letzteres vorne. Scheinbar hatte Darwin damals einfach die bessere Lobby als Lamarck habe ich gelesen. Lobbyismus gabs schon immer. Vetternwirtschaft. Auch menschlich.

Maximale Potenzialentfaltung durch friedliche Kooperation aber auch.

Welch schöner Leitsatz: Potenzialentfaltung durch Kooperation! Auf gehts!

Präsentieren Vortragen Öffentliches Reden

Nachdem ich zehn Jahre auf deutschen Bühnen als Schauspielerin und Sängerin unterwegs war, ist der Weg zum Public Speaking nicht mehr weit. Der Hauptunterschied ist, dass ich mich nun inhaltlich anderen Themen widme und diese mit Leben fülle und nicht die Figuren anderer Autoren zum Leben erwecke.

Eine solche „Speech“ ist in der Regel -wie ein Theaterstück- auch genau durchdacht, folgt einem ähnlichen dramaturgischen Aufbau und sollte im Idealfall genauso mit Leben gefüllt werden, wie eine Bühnenfigur UND das Publikum berühren.

Dass meine Herzensthemen Potenzialentfaltung, Bildungsprozesse und die menschliche Gesundheit sind, ist kein Geheimnnis. Der Bachelor in Sport- und Gesundheitspädagogik, den ich nach meiner künstlerischen Laufbahn in Karlsruhe an der PH absolviert habe, brachte mir einige interessante neue Impulse aus Pädagogik und Gesundheitsbildung, die mein Wissen abrunden.

Besonders die Schnittmenge aus Neurowissenschaften und Psychologie ist ein enorm interessantes Feld.

Darum ging es auch am 22.3. in München in meiner ersten Speech beim dortigen Speaker Slam und der Teilnahme am Slam Weltrekord!

Ein Tag voller Fülle

Fülle des Lebens
Wow was für ein reicher Tag!❤❤❤
Heute Morgen bin ich nach einer miesen Nacht das zweite Mal diese Wochenende 5 Rhythmen tanzen gegangen

5 Rhythmen Flyer

…mein Mann hütete die Kinder, kochte Kürbissuppe und ich durfte mich nach dem Tanzen an den gedeckten Tisch setzen.
Minisohnkind hat mich wenig schlafen lassen heute Nacht und ich hab’s nicht gut ausgehalten hier heute Morgen. Die Kinder waren so laut…
Nachmittags sind wir dann zur Demo für den Hambacher Wald mit den Rädern in die Stadt gefahren und waren zwei Stunden dabei.

Demo für Erhält des Hambacher Walds in Karlsruhe

Mir war wichtig den Kindern mal wieder zu ermöglichen zu sehen, was Menschen tun können, um Haltung und Werte zu zeigen. Meine Tochter hat ihr erstes politisches Statement

Die Bäume sollen wachsen

als Kreidebild veröffentlicht und Sohn 1 (4), hat heute angefangen zu schreiben

Ich wel (will) mea ( mehr) Kole ( Kohle)..( hat was falsch aufgeschnappt mit der Kohle und so…)

…es ist sooo schön zu sehen, dass unsere „Taktik“ mit dem beiläufigen Lernen und Inspirationsreize setzen so aufgeht. Wir haben ihn nie gedrängt und Jungs sind ja mit dem Feinmotorikkram von sich aus deutlich später dran als Mädchen! Er hat heute Morgen, als ich tanzen war, seinen Namen auf Bilder von sich geschrieben und dann bei der Demo mit Feuereifer, mit Kreide auf den Boden…habe vor zwei Wochen etwa ein Alphabet Plakat an die Klotür gehängt und ihn dann beim Klogang immer das ABC Lied singen hören😂😂Nach der Demo waren wir Kuchen essen und konnten draussen in der Sonne sitzen und mit Freunden quatschen

Mama Sohn Liebe

…so ein schöner, friedlicher Tag🙏..Danke Universum, higher Power…

Wie ein Übergangsfest die Persönlichkeit Deines Kindes stärkt

Ein Übergangsfest zur Persönlichkeitsstärkung Deines Kindes

Kurz vor der Einschulung feierte ich für meine Tochter ein Mädchenfest. Sozusagen ein Übergangsritual vom kleinen Kind zum Mädchen. Gesellschaftlich gesehen vom Kindergarten- zum Schulkind. Die Anthroposophen würden sagen, zum Abschluss des ersten Jahrsiebtes.

Kurz vor Eintreffen der anderen Mädchen

Meine Intention war diesen Übergang zu würdigen, als ich sie fragte, ob sie ein Mädchenfest feiern mag, weil sie ja jetzt ein großes Mädchen wird. Und sie hatte Lust dazu!
Meine mütterliche Motivation dazu entstand aus meiner eigenen systemischen und schamanischen Arbeit und Entwicklungsprozessen zur Identitätsstärkung sowie der intensiven Beschäftigung mit weiblichen und männlichen Archetypen und dem, was uns trägt.

Übergänge bewusst begehen und gestalten

Ich hab‘ selber erfahren, wie wichtig es ist bestimmte Übergänge im Leben bewusst zu begehen, um die eigene Ausrichtung klar zu spüren. Da hilft ein klares Ende und ein klarer Anfang eines neuen Lebensabschnitts. Ich durfte da einige Übergänge nachholen und habe enorme Kraft und Stärkung daraus gezogen.

Im Kindergarten meiner Kinder gibt es zur Verabschiedung auch ein schönes Ritual im Kreis. Anschließend ein Rauswurf mit der Seilspinne.

Seilspinne

Da ich aber vom Familienstellen und aus der schamanischen Arbeit über die Kraft der gleichgeschlechtlichen Identitätsstärkung weiss, wollte ich meiner Tochter das auch gern mit auf den Weg geben. „Wie ein Übergangsfest die Persönlichkeit Deines Kindes stärkt“ weiterlesen

Der ideale Einschulungszeitpunkt oder warum Dein Kind keine Hollandtomate ist

Den idealen Einschulungszeitpunkt, gibt es den?

Die Schulpflicht hat dieses Jahr unwiderruflich den Einschulungszeitpunkt für unsere Tochter festgelegt. Nächsten Monat wird sie sieben.  Das Alphabet kennt sie, seit sie drei ist, Lesen und Schreiben hat sie mit vier begonnen. Warum also haben wir sie erst mit sieben eingeschult?

Gibt es den idealen Einschulungszeitpunkt

Ist eine frühe Einschulung ein Bildungsvorteil für das Kind? Hat mein Kind Nachteile, wenn es ein Jahr länger im Kindergarten oder zu Hause bleibt?
Tja. Schwieriges Thema. Manchmal gibt’s nichts dran zu rütteln, dann ist völlig klar – das Kind muss in die Schule, weil der Job, die Trennung, was auch immer es nicht anders zulässt. Was aber, wenn wir die Wahl haben?
Vielleicht sogar dem Kind die Wahl überlassen? Kann es doch gar nicht absehen, was das bedeutet!
Außer, der beste Freund, die beste Freundin wird auch eingeschult. Dann ist klar, Schule bedeutet zusammen sein können, WENN es denn die gleiche Schule ist.
Also, ein ziemlich individuelles Herangehen ist gefragt.

Gibt es ein Rezept?

Gibt es denn keine allgemeiner gültige Herangehensweise dazu?
Doch, das gibt es wohl! Denn vertieftes Spielen und Begeisterung sind laut der Hirn- und Lernforschung die Lernbooster schlechthin. Auch die Motivation Sachverhalte zu verinnerlichen, hängt vom persönlichen Bezug und echtem Interesse ab. Letzteres entwickelt sich von innen, nicht von außen durch z. Bsp. die Lehrer oder den Lehrplan.
Warme Beziehungen sind quasi das Sahnehäubchen für die perfekte Lernumgebung. Und ja, es gibt natürlich tolle, engagierte Lehrer mit Herz.

Dennoch, das freie Spiel und Entdecken bietet dem menschlichen Gehirn die perfekte Ausgangslage, um sich zu entwickeln. Dass das Spiel als solches noch nicht Eingang in den Katalog der so genannten „Frühförderung“ gehalten hat, zeigt wie träge die institutionellen Mühlen und Konzepte malen. Oder vielleicht, weil es da nicht so viel zu fördern gibt, außer einen kindgerechten Entdeckungsraum zur Verfügung zu stellen. Und zurückhaltende Lernbegleiter*Innen.
Dann würden nämlich sämtliche von außen eingeführte „Massnahmen“ zugunsten einer freien Lernumgebung einfach wieder abgeschafft werden.

Denn Spielen feuert die Bildung neuronaler Netzwerke an wie Dünger.
Spielen IST Dünger fürs Gehirn. „Der ideale Einschulungszeitpunkt oder warum Dein Kind keine Hollandtomate ist“ weiterlesen

Familienplanung: Die Wahrheit übers dritte Kind

Wächst das dritte Kind wirklich unterm Tisch auf?!

„Das dritte Kind wächst unterm Tisch auf. Wer kennt den Spruch nicht, wenn’s um das Thema Familienplanung geht.

DIE Wahrheit übers dritte Kind gibt es so natürlich nicht. Es ist unsere Wahrheit und ein Ausschnitt der Wahrheit bekannter und befreundeter Familien, über die ich hier schreibe.

Begegnungen

Ich war hochschwanger und traf Pola auf dem Parkplatz des Drogeriemarkts um die Ecke wieder. Ihr drittes Kind, ein Junge, war da eineinhalb. Wir kannten uns aus der U3 Spielgruppe und ich mochte sie gern. Die Familie war vor einem Jahr in ein Ökohaus auf dem Land gezogen.
„Ha, mir mergeds scho, s‘ Dridde!“ ( auf schwäbisch, Übersetzung: Wir merken es schon, das dritte Kind).☺
Ihr Satz hallte noch in meinem Kopf nach, als wir uns nach einem netten Parkplatzgespräch verabschiedet hatten. Was meinte sie wohl? Mein Mann und ich fragten uns immer mal, wie das wohl so werden würde, mit noch einem Kind. Ohne Oma, Opa, Tante , sonstwen ums Eck. Die ersten Beiden waren bei uns damals viereinhalb und zweieinhalb. Die Grosse vier Tage für vier Stunden im Kindergarten und der Kleine seit neustem 15 Stunden wöchentlich beim Tagespapa. Bedürfnisorientiert begleitet.

„Und, wie isses so zu fünft?“ Meine Frage an meine Freundin, nachdem ihr drittes Kind, ein süßes Mädchen, acht Wochen alt war. Die Geschwister waren älter und etwas weiter auseinander als unsere Kinder. Die Antwort: „Ha, du musst dich halt ans Chaos gewöhnen!“ Aha. Na toll, auf Chaos hatte ich als Jungfrau nun wirklich keine Lust.

Also ich hatte ganz schön Respekt. Meinen Sohn stillte ich auch noch. Das hatte beim Wechsel von einem auf zwei Kinder jedenfalls gut funktioniert. Erst mal Tandemstillen.

Um es auf den Punkt zu bringen nach dieser Einleitung: wir sind täglich entzückt über unser süßes drittes Kind, über alle Drei und wie sie so miteinander sind. Natürlich ist es manchmal oft megaanstrengend aber es ist eben auch wunderschön. Wären wir nicht schon etwas älter, ernsthaft: wir würden über noch eins nachdenken.
Ernsthaft♥️.
Aber mein Mann und ich verstehen uns auch supergut ( https://drei-leben-mehr.com/eltern-sein-paar-bleiben-trotz-attachment-parenting/ ) und sind uns einig, wie wir die Kinder begleiten, welche Werte wir leben, wir haben unser Leben vor den Kindern schon ganz schön gerockt und intensiv gelebt.

Wir haben ein Haus mit Gärtchen vorne und hinten in einer kindertauglichen Gegend. D.h. Tür auf – Kinder raus ist möglich. Das erleichtert den Alltag.

Ja, es ist manchmal chaotisch und was ich persönlich am anstrengendsten finde, ist das ungleiche Energieverhältnis. Zwei Erwachsene auf drei Kinder. Immer. Auch wenn einer von uns plus Kinder krank ist.
Eine andere Freundin sagte dazu. Zwei Kinder – Manndeckung, drei Kinder – Raumdeckung. Da ist was Wahres dran.
Aber so wie beim anfänglichen „Zweiten-Kind-Schock“, wie eine andere Freundin sagte, so krass ist die Umstellung nicht. Man kennt als Eltern ja schon, wie das mit mehreren Kindern ist. Und die Kinder kennen auch schon wie es ist mit Geschwistern ist.
Und ich hab‘, nachdem das zweite Kind etwas älter war, gedacht: eigentlich schade, jetzt wissen wir so richtig wie‘s geht mit den Kindern und sollen schon aufhören mit Kinder kriegen?
Die Routine und Sicherheit sind gross nach zwei Kindern mit geringem Altersabstand. Und nein – ich hatte kein Highneedkind dabei. Aber wohl eine chronische Erkrankung bei den „Grossen“, die uns das Leben immer wieder total schwer gemacht hat. Magenreflux. Gott sei Dank mittlerweile ausgeheilt.

Auf ein viertes Mal Zahnen hätte ich jetzt aber auch nicht unbedingt  Lust. Ganz ehrlich.
Allerdings haben unsere Sozialkontakte in den letzten zwei Jahren deutlich gelitten ( so alt ist der Kleinste jetzt), da die Alltagsbewältigung doch deutlich mehr Energie braucht als vorher. Fünf ist anders als vier. Eindeutig.

Jedenfalls war ich deutlich unflexibler und hatte einfach weniger Raum und Kraft für Anderes als die Familie und meine Grundbedürfnisse). Das ändert sich jetzt langsam wieder. Manche Freunde konnten das leider nicht nachvollziehen oder haben vergessen, wie anstrengend es bei Ihnen war, als ihr Kind noch klein war…das war und ist manchmal nervig, dieses Unverständnis, da hätte ich mir mehr Empathie gewünscht. Aber wer selbst keine drei Kinder hat, weiss eben auch nicht wie das ist. Und wer „nur“ eins hat – da liegen Welten dazwischen.

Doofe Sprüche

Abgesehen von den doofen Sprüchen zum eigenen Sexualleben, wie neulich am Freibadkiosk: „alles ihre? Da waren sie aber fleissig!“ Also echt, voll daneben.
Da konnte ich nix drauf sagen. Was auch? Ja, wir vögeln halt gern? Weil man ja mit kleinen bedürfnisorientierten Kindern auch sooo ein ausgeprägtes Sexualleben hat…

Abgesehen davon sehen wir viele freudige Augen, wenn wir mit den Kindern irgendwo anrücken. Man merkt zwar schon, dass in Deutschland die Akzeptanz für Kinder meilenweit entfernt ist von kinderfreundlicheren Kulturen wir Italien, Spanien, Irland, Holland….aber nun ja…

Dann gibt es noch das Thema mit dem „Mittleren“. “ Passt auf den Mittleren auf! Dass der nicht unter die Räder kommt!“ So die Empfehlung eines Kollegen an meinen Mann. Ja, das machen wir, denn das mittlere Kind ist ( noch) nicht so eloquent wie die Älteste und bekommt nicht so viel Aufmerksamkeit wie das Jüngste.

Immer wieder bekommen die grösseren Geschwister kleine und grössere Exlusivzeiten, wenn wir das Gefühl haben, sie brauchen das. Das tut ihnen immer gut. Meistens kleine Spaziergänge und ganz ehrlich: ich geniesse diesen kurzen Auszeiten auch. Es stellt Nähe her und nährt unsere Beziehung.

 

Jetzt gerade freuen wir uns, dass der Kleinste angefangen hat zu sprechen und seit drei Wochen keine Windeln mehr braucht. Die Tagesmutter ist schon gebucht ab nächstem Monat. Yeah!!! Drei mal fünf Stunden nicht unterbrochen werden ! Yeah! Ich werd Bäume ausreissen und die Welt erobern!!

Fazit

Haben wir es jemals bereut die Familienplanung um das dritte Kind erweitert zu haben? Nein. Niemals. Aber sehr wohl gedacht, puh…wir schaffen‘s gerade nicht und müssen es ja doch irgendwie hinkriegen… Trotz tatkräftiger Unterstützung von Freunden: manchmal konnte ich nur noch alle Viere von mir strecken und kapitulieren…Aber ein Kleinkind im Haus ist ja wie eine Sonne, die dauernd aufgeht…so süss, so rein, so offen, so liebend, so eine grosse Freude…einfach ein wunderbares Wesen, ein Geschenk.♥️
Also, wenn ihr eine gute Partnerschaft habt und Euch gegenseitig unterstützen könnt: ich kann ich es nur empfehlen das dritte Kind!
Auf geht’s! Vögeln!

Eltern sein – Paar bleiben♥️

Eltern sein – Paar bleiben

Da saßen wir nun. Brotfertig, platt, leer vor uns hinstarrend. Ja, es ist manchmal nicht leicht als Paar noch existent zu sein, wenn man den Alltag mit drei Kindern und noch das Drumherum rocken muss. Abends liegen wir meistens kaputt auf der Couch, nachdem wir das Nötigste an Ordnung wieder hergestellt haben und versuchen noch sinnvolle Sätze zu formulieren.

Mit jedem Kind ist es gefühlt weniger Zeit, die wir exklusiv miteinander haben. Abends können nicht nur ein Kind, sondern drei  aufwachen und wollen wieder in den Schlaf begleitet sein. Abgesehen davon, dass wir sie alle drei erstmal INS Bett UND zum Schlafen bekommen müssen, ohne dass sich jemand eine ernsthafte orthopädische Verletzung holt auf dem Weg in die Horizontale.

Quiiie-bong-quiiie-bong!! um es mit Findus zu sagen.😼

Und ohne, dass einer von uns einen abendlichen Nervenzusammenbruch erleidet.

Alle drei Kinder sind bei uns familiengebettet und langzeitgestillt, das erschwert die Lage.

Oder erleichtert die Lage?

Bedürfnisorientierte Elternschaft

Bedürfnisorientierte Elternschaft bringt Entspannung ins Familienleben und davon profitieren alle. Auch die Paarbeziehung finde ich. Wie wichtig Entspannung für das Familienleben ist, kann sicher jeder nachvollziehen.

Und wie geht jetzt bedürfnisorientierte Elternschaft? Wie soll und kann das  gehen mit der Paarzeit als Eltern? Oder gar der Paarungszeit🙃?

Albträume, Magen-Darm, quersitzende Pupse, aktuell die Hitze usw.  potenziert mit dem Faktor 3 machen die Feierabende nicht so richtig planbar.

Man muss das schon wollen und auf dem Schirm haben bei all den Schauplätzen, um die sich gekümmert werden will in einer Familie mit Kindern.

Mit „das“ meine ich die Paarbeziehung.

Und das ist glaube ich der erste wichtige Punkt. Bewusstheit und der Wunsch als Paar zu existieren. Sich neu zu erfinden. Das nicht aus den Augen zu verlieren.

Zeitfenster effektiv nutzen.

Klingt unromantisch? Joa, ich kenne Romantischeres, als drei Kinder zu haben.

Bei uns sieht es so aus, dass wir wöchentlich eine Babysitterin haben, die an einem Tag um 17.30 für zweieinhalb Stunden kommt, dann gehen wir aus dem Haus. Essen gehen oder Minipicknick mit Decke auf der Wiese, Frühvorstellung im Kino. Galerie wäre auch denkbar. Was auch immer.

Und ja! Diese zwei Stunden sind gefühlt total wichtig!! Schaffen Raum für uns.

Punkt 2.

Sich den Raum nehmen.

Es gibt Tage, da können wir keine zwei Sätze miteinander sprechen, ohne durch irgendetwas unterbrochen zu werden.  Da sind zwei Stunden Qualitätszeit viel. Und eine Routine, in der wir unsere Beziehung als Paar, jenseits von Mama und Papa sein pflegen.

Bei uns ist das der Donnerstag. Wir besprechen grob das kommende Wochende sowie das Ein oder Andere, was uns alle betrifft aber vor allem verbringen NUR WIR ♥️♥️Zeit zusammen.

Das tut gut.

Punkt 3 auf der Agenda: Kurze Zwiegespräche.

Kurze WAS?

Zwiegespräche

Regelmässige Zwiegespräche nach Lukas Müller in einer von uns für Grossfamilien abgewandelten Form. Mein aboluter High Quality Geheimtip.

Das geht so:

Abwechselnd spricht jeder von sich fünf Minuten über folgende Themen:

1. Wie geht’s mir mit mir gerade? Was ist da los?

2. Wie geht’s mir mit dem Partner gerade? Was ist da so los?

3. Wie geht’s mir mit anderen Menschen in meinem Umfeld gerade?

Regeln:

einer guckt auf die Uhr und behält den Rahmen zeitlich im Auge.

Und: ganz wichtig ist die Form, WIE wir von uns sprechen. Nämlich gewaltfrei, d.h. in ICH Form, ohne den Anderen zu bewerten, zu beschuldigen, zu analysieren etc.

Wie geht es MIR mit…

Das ist erst mal schon eine Herausforderung. Weil wir das so nicht gewohnt sind. So zu kommunizieren.

Der letzte wichtige Punkt für die Gesprächstruktur ist, dass während des Zwiegesprächs nicht diskutiert, kommentiert etc. wird. Die Person, die nicht spricht hört NUR zu.

Dann direkt der Wechsel.

Das ganze Zwiegespräch dauert so ungefähr vierzig Minuten in unserer Variante. Angepasst ist es insofern, dass ursprünglich fünfzehn Minuten pro Thema pro Person angedacht sind, also insgesamt neunzig Minuten dauert. Für Grossfamilien finden wir fünf Minuten schon toll, ausserdem realistischer und:

WIRKLICH wahr!!! Effektiv und verbindend.

Es tut jedes Mal sooooo gut. Das ist eine unbedingte Empfehlung von mir. Es ist jedes Mal verbindend und man erfährt richtig viel vom Anderen in fünf Minuten , wenn das Frage Antwort Spiel mal ausgehebelt ist.

Ausprobieren!!!

Wir machen es, wenn’s gut läuft, ein Mal die Woche und klar werden wir manchmal von einem Kind, das aufwacht unterbrochen und das erste halbe Jahr, als das dritte Kind da war, haben wir glaube ich gar keins geführt.

Aber hey! Ganz egal. Der Wille zählt und das merkt auch die Beziehung, die ein gewisses Mass an Pflege schon braucht, um nicht abzusaufen. Dass das Bewusstsein dafür da ist.

Nummer 4:

Mein persönlicher Joker sind noch ab und zu mal ein doofer zotiger Witz. 😂😂.  Damit bringe ich meinen Mann immer zum Lachen.

So dass DAS Thema zumindest verbal Raum bekommt, wo zeitlich naturgemäße Einschränkungen zu erwarten sind.

Und die Paarungszeit? Da geh ich jetzt erst mal nicht ins Detail.

Da dürfen wir alle selber kreativ sein♥️.

 

P.S.: Es kann sein, dass beim Zwiegespräch einer erst mal gar nicht viel zu sagen hat oder dieser extra geschaffene Raum sich merkwürdig anfühlt. Dann geht es zuallererst darum, DAS auszuhalten fünf Minuten lang. Diese Stille und das Schweigen. Das allein ist auch schon „eine Reise“ wert.

Eine Reise in die achtsame Gesprächskultur.

P.P.S.: Vielleicht schreibe ich meinem Mann auch mal wieder eine kleine Liebesbotschaft und versteckte sie in seiner Laptop Tasche für’s Büro…

to be continued

Ich freue mich über Feedback und ob ihr Euch inspiriert fühlt, Eurer Beziehung besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

 

 

 

Welcher Kindergarten ist denn jetzt der Beste?

Unser Weg durch den Dschungel der Kindergartenkonzepte

Auf der Suche nach einem guten halbtägigen Betreuungsplatz für unsere Kinder haben wir viele Tage der offenen Tür usw. besucht. Klar war, den Kindergarten brauchen nicht die Kinder, sondern ich zur Entlastung. Unsere Kinder sind alle grob zweieinhalb Jahre auseinander. Es gibt keine Verwandten in der Nähe und Privatbetreuung wird irgendwann einfach teuer. Institutionelle U3 Betreuung war nicht so unseres.

Wir haben viele soziale Kontakte und ein schönes Freundesnetzwerk aber: leider nicht in der unmittelbaren Nähe bzw. Nachbarschaft.

Also sind wir im Waldorfkindergarten gestartet. War in unserer Strasse und in der Spielgruppe waren wir auch schon. Ausserdem gefällt mir vieles an der Ästhetik, den Materialien und das ganzheitliche Konzept. Der ökologische Aspekt. Theater und Musik. Körperbildung bzw. Eurythmie. Die Truppe und die Leitung waren klasse. Antroposophisch und modern  geht also auch.

Waldfee, Sommer im Wald
Selbst gefilzt. Allerdings jetzt erst für den Waldkiga. Da haben wir auch einen Jahreszeitentisch.

Eine Woche Eingewöhnungsversuch. Tochterkind war drei.

War viel zu früh. Sie war weit weg von „dort bleiben wollen“.  Ich war sowieso mit Sohnkind, der damals eins war, noch zu Hause. Die Pädagogin meinte auch, es wär schön, wenn sie noch ein Jahr zu Hause bleiben könnte, wenn wir da keinen Druck haben. Also haben wir’s einfach gelassen. Ging dann auch gut und war sogar stärkend und schön für die Gescheisterbindung.

Mein Eindruck vom Waldorfkindergarten: Der absolut feste Tagesablauf dort lässt für mich wenig Platz für die Kinder. Auch wenn vieles ganz liebevoll gestaltet war. Ich finde Regelmässigkeiten im Tagesablauf auch wichtig aber dass alles komplett durchrhythmisiert war… das nimmt den Kindern doch auch Raum für eigene Impulse. Die wilden Jungs hatten meiner Beobachtung nach gar keinen rechten Platz dort und sprengten das enge Konzept. So mein Eindruck. Ich hatte ja auch noch den Sohn „in petto“, den konnte ich mir da gar nicht vorstellen. Vielleicht in jüngeren Jahren aber so ab fünf: gar nicht.

Früher gab es Ausserhausbetreuung in Waldorfeinrichtungen auch erst ab vier Jahren.  Davor war der beste Platz fürs Kind in der Familie. Das „behütet sein“, ist ein wichtiger Aspekt in dieser Pädagogik.

Hat sich aber auch geändert. Müssen sich auch an die Zeit anpassen, die „Waldis“.

Die Waldorf Krippe ist hier nämlich auch ums Eck. Ab einem Jahr.

By the way: gruselig, dass manche Eltern ihre Kinder schon mit ein paar Wochen in Institutionen betreuen lassen (müssen?). Und sogar Übernachtungen bieten viele Betreuungseinrichtungen inzwischen an. 🤤

Ade sichere Bindung : (.

Und ja, ich habe Verständnis für Alleinerziehende, KrankenpflegerInnen oder andere Schichtdienstler/innen aber nicht für den Staat, der die Betreuung in frühen Jahren durch die Familie nicht besser schützt und unterstützt.

2. Versuch Eingewöhnung

„Welcher Kindergarten ist denn jetzt der Beste?“ weiterlesen

Arschbook

Heute ( Juni) habe ich mich übel mit meinem Mann gestritten : (

Typischer Frauen/Männer/Mama/Papa Streit würde ich sagen.

Meine Beziehungspflegeaktionen lege ich sofort auf Eis, wenn ich mich unfair behandelt und dadurch verletzt fühle. Ich hab die Kinder eingepackt und bin gegangen. Dem Babysitter für unsere Paarzeit abgesagt. Tja. Mist.

Mein Mann hat sich vor ein paar Wochen den Fuss gebrochen, „Arschbook“ weiterlesen

Das böse Kind

Hauen, beissen, schlagen

„Zuerst hat er ihn mit Dreck beworfen und dann ist er weinend weggelaufen!“ erzählt mir empört der Papa von Xy.

Und er betont es so, als ob mein Kind (20 Monate), sein Kind (14 Monate) in bösartiger Absicht,

sozusagen um ihm weh zu tun,

erst mit Dreck beworfen hat und dann,

um es „immer noch böswillig“ zu verschleiern,

weinend zu mir gerannt kommt.

Der andere Junge weint auch.

Hat Erde in die Augen bekommen. Das tut ihm weh. Klar.

Die Szenerie, die dem vorausging: Beide Kinder waren unter ein paar Bäumen gewesen während wir mit den grossen Geschwistern fünf Meter weiter beschäftigt waren.

Die Kleinen waren unter sich sozusagen.

Was dann passiert: „Das böse Kind“ weiterlesen

Glück ist…

… nicht etwas zu wissen, sondern es herauszufinden.

 

entdecken

Bildung.

Jeder spricht davon. Wie wichtig sie ist. Ohne Bildung keine Zukunft.

Was damit meistens gemeint ist: Schulbildung.

Was Bildung im bildungswissenschaftlichen Sinn ist, davon wird leider selten gesprochen. Nämlich ein Prozess, der in einem stattfindet, während aussen das Leben passiert.

Und umgekehrt. Beides miteinander verwoben. Ein aktiver Prozess.

Etwas, das fast wie von selbst passiert.

Nicht etwas, was von aussen in einen reingestopft werden kann oder gar muss.

Ein magisches Prozess quasi, der unsichtbar bleibt.

Eine Haltung, die sich daraus entwickelt.

Werte. „Glück ist…“ weiterlesen

Bildung als Einbahnstrasse oder „Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Fesseln“

Es nervt…

Was?

Die Einbahnstrasse, die das Bildungssystem in Deutschland gerade einschlägt.

Ein aktuelles Interview vom 13.7.2018

https://www.deutschlandfunk.de/bildungsystem-schueler-muessen-wissen-warum-sie-in-die.694.de.html?dram:article_id=422816

Von Rousseau, dem Verfasser des o.a. Zitates stammt übrigens auch: „Man kennt die Kindheit nicht…“das war Ende des 18.Jahrunderts. Rousseau hat sowas von eine Lanze gebrochen für Kinder. Aber sowas von. Der Erste der bürgerlichen Schicht, der das ausgiebig formuliert hat. Dem das Kind ein Anliegen war. Der das Kind sein als etwas Kostbares ansah. Nicht nur einen unfertigen Erwachsenen. Das war in unserem Kulturkreis etwas ganz Neues.

Das 20. Jahrhundert war zwar als das Jahrhundert des Kindes ausgeschrieben von der UN und es gab viele positive Entwicklungen aber… „Bildung als Einbahnstrasse oder „Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Fesseln““ weiterlesen

Mein Sohn mag rosa Nagellack

Ein Beitrag zur Genderdebatte

„Mama, Feline hat gesagt, Jungs können keinen Nagellack tragen!“

Aha.

Das erzählt mir meine Tochter vor ein paar Tagen. Feline ist die zwei-Wochen Praktikantin im Waldkindergarten.

Ich spüre, wie Ärger in mir hochsteigt über diesen Satz der Praktikantin. Schon wieder ein Beispiel, wie verankert Rollenklischees und Schubladendenken bezüglich festgelegtem Geschlechterverhalten in unserer Gesellschaft ist. Und wie ungefiltert sie einfach auf unsere Kinder losgelassen werden. Aber ich weiss: „Mein Sohn mag rosa Nagellack“ weiterlesen

Was Tansania mit der Einschulung meiner Tochter zu tun hat

 

Meine Tochter kommt im September in die Schule.

Ein deutscher Arzt in Tansania beschreibt in der Magazin Beilage „Chrismon“ der ZEIT vom 4.5.2018, wie seine jungen tansanianischen Arzt Kollegen trotz Medizin Studium bei Notfällen ihr Wissen nicht anwenden können und in Hilflosigkeit verfallen.

Was das eine mit dem Anderen zu tun hat?

Darüber spricht er ein paar Zeilen tiefer.

In dem Artikel steht: “…Sie schaffen den Sprung nicht, ihr Wissen anzuwenden und sich selbst Antworten zu geben“. Und jetzt kommt’s: „Wahrscheinlich ist der Grund ihre Erziehung. In der Schule hört man dem Lehrer zu und widerspricht nicht, Kreativität wird nicht gefördert. Die Vermittlung des Wissens ist kein Problem, aber die Umsetzung.“…


Da kommt meine Tochter wieder ins Spiel bzw. ihre Einschulung. „Was Tansania mit der Einschulung meiner Tochter zu tun hat“ weiterlesen

Lunita Box – ein Geschenk zur 1. Menstruation💖

Die Lunita Box

Empowerment für Mädchen

Ein grosses Anliegen ist mir die Lunita Box,

(unten ein privates Foto, keine Werbung, das Ding befindet sich noch in der Projektphase)

die ich mit Freundinnen zusammen entwickle.

Ein Geschenk zur 1. Menstruation, an der Schwelle vom Mädchen zur Frau.

Lunita bedeutet: kleine Mondin.

Darin enthalten sind ökologische und nachhaltige Produkte rund um die Menstruation, sowie

– Körperpflegeöl/Badeöl

– Frauen Entspannungstee

– Ein Muschelarmand

– Ein „keep out!“ Thürhänger

– Ein Heftchen mit schön aufgemachten Informationen zu dieser besonderen Zeit, die das medizinische Wissen ergänzen sollen

– Eine Entspannungsanleitung mit Audiolink dazu

– Ein Edelstein

– Eine schöne Karte mit einem Weiblichkeitssymbol/ einer Göttin

– 1 Turnbeutel mit dem Lunita Mond und

– einem kleinen Beutelchen mit dem Lunita Mond drauf.

Hier der Lunita Mond.

(To come)

Um den Übergang vom  Mädchen zur Frau als das zu sehen, was es wirklich ist: der wichtigsten Übergang im Leben jeder Frau, bevor sie Mutter wird

oder mütterliche Energie lebt

In manchen Gesellschaften „Lunita Box – ein Geschenk zur 1. Menstruation💖“ weiterlesen