Arschbook

Heute ( Juni) habe ich mich übel mit meinem Mann gestritten : (

Typischer Frauen/Männer/Mama/Papa Streit würde ich sagen.

Meine Beziehungspflegeaktionen lege ich sofort auf Eis, wenn ich mich unfair behandelt und dadurch verletzt fühle. Ich hab die Kinder eingepackt und bin gegangen. Dem Babysitter für unsere Paarzeit abgesagt. Tja. Mist.

Mein Mann hat sich vor ein paar Wochen den Fuss gebrochen, das ist noch nicht ausgeheilt, ich war bis vorgestern mit meiner Tochter vier Tage auf dem Pferdehof und er allein mit den Jungs. Der Jüngste mit 21 Monaten) war nachts noch nicht abgestillt.
Jetzt aber schon : )
Es stehen noch einige Renovierungsarbeiten an, die er abarbeitet usw.
Was ich damit sagen will: hat’s grad nicht so leicht der Gute..
Wir laufen auf den Aktivspielplatz und mir kommt irgendwie in den Sinn, wie falsch sich facebook manchmal anfühlt.

Alle, ich eingeschlossen, posten fast immer nur die Highlights und Schokoladenseitenmomente im Leben. Seht her, soooo toll ist unser Leben!!!

Einerseits verständlich, geteilte Freude ist doppelte Freude.
Andererseits: Echt ist das ja nicht. Ich zum Beispiel. Mir geht’s nicht gut. Ich fühle mich traurig.

Am liebsten würde ich posten: wie traurig, den geliebten Menschen unfreundlich oder abwertend zu behandeln bzw. so behandelt zu werden. Wie geht ihr damit um? Wann passiert Euch das?

Und natürlich tue ich das nicht, denn letzten Endes ist facebook eben nur facebook.
Ich fühle mich einsam. Natürlich wäre jetzt für mich: zwei Häuser oder Strassen weiter zu gehen zur Tante, zur Cousine, zur Oma, zum Bruder und da Zeit verbringen und die Stimmung zu Hause runterkochen zu lassen. Abstand gewinnen, zu spüren, worum es wirklich geht, die Aussenbedingungen abzuscannen. Dem Bedauern über die Situation Raum zu geben und sich mit all dem zeigen zu können. Auch ohne viel zu reden.

Einfach damit sein aber nicht allein.

Leider haben wir weder Familie noch Freunde ums Eck.

Statt dessen sitze ich jetzt hier mit lauter Papas auf dem Spielplatz.


Aha. So organisieren sich also andere Familien ihren Samstag Vormittag.
Apropos Organisation.

So kam es überhaupt zu dem Zerwürfnis. Ich wollte gerne den Tagesablauf besprechen. Hatte eine Idee, die er blöd fand. Is ja ok. War ja nur ne Idee. Aber die Haltung, die mir da entgegenschwappte, bzw die Genervtheit, DIE war so für mich nicht schön. Überhaupt war da eine Ladung drunter, die ich abbekommen hab.
Und es gibt Tage, da verletzt mich das, da stecke ich das nicht weg. Und ganz besonders, wenn mein Gegenüber nicht irgendwann auch bedauert, dass wir so kommunizieren.

Aber zurück zu Facebook.

Eigentlich brauchen wir doch spürbares Feedback, wenn es uns eben nicht so gut geht. Wenn die Kinder dauernd streiten, tagelang abwechselnd krank sind, wir mit dem Haushalt nicht hinterherkommen.
Das wäre mal ein interessantes Experiment. In der Chronik zu posten: Mir geht’s heute so richtig schlecht. Das Haus sieht aus! Die Kinder sind anstrengend und dann dazu noch die passenden Fotos. Unaufgeräumte Zimmer, ungekämmte Kinder in Gammelklamotten, wahlweise mit von Wut oder Weinen verzerrtem Gesicht.

Arschbook. Wenn der Arsch auf Grundeis geht
oder
wenn wir selber arschig sind…
Oder so….
Apropos unaufgeräumt. Heute morgen haben wir zehn ausgekippte Puzzles und fünfzehn ausgeleerte Spiele von einem Haufen sortiert. (Sylvester lässt grüssen Christine T.) 
Mein Mittlerer hatte vergessen, gestern Abend seinen Schrank zu zu machen. Der Kleine unbeaufsichtigt ENDLICH unbeschränkten und unbeaufsichtigten Zugang zu Brettspielen und Puzzles.

Yeahhhh!!!! ( der Kleine)

Wir: 😲😭🤤😭😲

Ihr kennt das. Ein Heidenspass für’s Kind, eine Heidenarbeit für die Aufräumer.
Und das steckt auch hinter dem ganzen Galama und den Unstimmigkeiten.
Es hört niiieee auf.

Die Arbeit ist niiieee zu Ende.

Es gibt immer was zu tun.
Packen wirs an.
Äh, nee….wessen Werbeslogan war das?
Wir packens doch sowieso dauernd an. Wir engagierten Familien mit mehreren Kindern. Alleinerziehende.

Familien mit besonderen Kindern.
Familien eben.

Lassen wir die Arbeit lieber öfter mal Arbeit sein. Work Life Balance und so. Entschleunigung.

Dann betreten wir auch weniger oft unseren Stammhirnbereich, von wo aus so schnell lieblose, verletzende Worte gesprochen sind.
Stress macht dumm. Blind. Unsozial.
Und obendrauf ist er nicht gesund.
Sowieso DAS Thema für mich. Kein Stress bitte.


Klingt so einfach und ist doch so schwer manchmal.
Und dass die Ästhetik noch zum Zug kommt: Auch ein von Herzen ausgesprochenes Bedauern darüber, dass ich den anderen verletzt habe oder
ehrliches Erzählen davon, wie es in mir aussieht, welche Bedürfnisse hinter meinen vielleicht verletzenden Worten stehen, kann wirken wie ein Gewitter. Reinigend. Ehrlich.

Verbindend.

Dann kann so ein Streit in so was wie Katharsis aufgelöst werden. Das wäre doch schön. Sozusagen die Ästhetik im Unästhetischen.
Und das wünsche ich uns allen. Das erlebe ich Gott sei Dank immer öfter so. Das hat auch mit den Zwiegesprächen zu tun, die mein Mann und ich seit einigen Jahren führen. Die sind als Tool sehr hilfreich, sich in den Anderen einzufühlen. Trotz Alltag.

Wir gehen jetzt nach Hause.

Die Papas sind auch schon alle weg .

 

 

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